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„Was alle Feiertage auf der ganzen Welt gemeinsam haben, oder der Tag, an dem wir die Kilometer rückwärts zählten“

Der Karfreitag vor Ostern begann fantastisch. Die Sonne strahlte aus allen Poren, wir hatten unseren Camper erstmalig beladen und waren mit unserem Freund Plörk auf dem Weg zu einer Wanderung auf die Elizabeth Parker Hütte, die wir beim kanadischen Alpinverein gemietet hatten. Am Ausgangspunkt mussten wir unseren Camper mit 20 weiteren Autos einsam auf einem Parkplatz stehen lassen. Es war ja Karfreitag und viele Kanadier wollten ein langes Wochenende in der Natur verbringen. Das ungute Bauchgefühl schoben wir beiseite. Wir waren ja in Kanada und noch nicht in Mexiko und der nächste Ort war weit entfernt. Die Euphorie und die sonnenbestrahlten Berge verliehen uns Flügel und wir wollten ganz schnell zur Hütte aufbrechen. Unterwegs merkten wir schon, was wir eigentlich mitnehmen wollten, aber in der Eile vergessen hatten (Ipod, Handy usw.). Der Aufstieg und die Hütte waren traumhaft. Unsere Bleibe war von schneebedeckten Bergen umgeben und lag auf einer offenen Lichtung, die keine Zufahrt hatte. Der Schnee musste auf dem Holzofen fürs Trinkwasser geschmolzen werden. Die Ausscheidungen auf dem stillen (und ob es still war) Örtchen wurden in Fässern aufgefangen und per Helikopter rausgeflogen. Jeder war für die eigene Hüttenwärme im Bettenlager zuständig und musste Holz hacken und nachts das Feuer in Schacht halten. Und dann stand zum Überlaufen der Tränendrüse der Vollmond am sternenklaren Himmel über unserer Hütte. Dieses unglaubliche Gefühl der grenzenlosen Freiheit und fast zerplatzen vor Glück hielt bis zum nächsten Morgen kurz vorm Frühstück an.  Da platzte eine Frau in unsere Hütte rein und verkündete, dass auf unserem Parkplatz 8 Autos aufgebrochen worden sind. Bingo oder besser Lottogewinn. Allerdings nicht für uns, sondern für die nachtaktiven Einbrecher. Wir flogen also in 1,5 Stunden Abstieg unserem aufgebrochenen Camper entgegen und jeder war mit seinen Gedanken, Vermutungen und Hoffnungen beschäftigt. Gab es nicht einen Ehrenkodex für ausländische Camper, dass diese nicht ausgeraubt werden? Hatten nicht fast alle kanadischen Diebe eine deutsche Oma und schreckten deshalb vor deutschen Campern zurück?
Ironischerweise hingen an den Bäumen auf dem Weg von der Hütte zum Parkplatz Kilometerschilder. Wir zählten also bis zu unserem großen Entsetzen die Kilometer rückwärts und der Kloß ab Kilometer 3 wurde immer größer. Unser „Runninggag“ beim Abstieg werden wir wohl nicht mehr vergessen, nämlich das unser Freund Plörk nur bekleidet in seiner Skihose am Flughafen steht und zurück nach Deutschland fliegt. Na ja, shit happens. Der erste Blick durch die zerbrochenen Scheiben ließ den „Runninggag“ zur Gewissheit werden. Plörk blieb nur noch das, was er im Körper trug. Sein Eigentum schrumpfte sozusagen in einer Nacht um 99%. Und die letzten 1% rochen nach zwei Tagen auch nicht mehr wirklich brauchbar. Die Diebe waren Männer und klauten fast alle Klamotten von Ingo inklusive der Unterwäsche und der Socken (Frauen würden so etwas sowieso nicht machen). Haben die wirklich geklaubt, wir wickeln in unsere Socken unser Bargeld ein? Praktischerweise hatten wir alle Klamotten in wasserdichte Säcke und Taschen verpackt. Verdammte deutsche Gründlichkeit. Lässt sich ja auch so viel leichter klauen und einfacher umladen. Und was haben alle Feiertage auf der ganzen Welt gemeinsam? Da sind die meisten Leute unterwegs, die man herrlich beklauen kann. In unserem Fall war es der Karfreitag. Wie unchristlich. Um es vorweg zu nehmen, wir glauben wieder an den Weihnachtsmann, Osterhasen und an Bob und John. Denn die kanadischen Mounties haben die bösen Jungs geschnappt, das Diebesgut sichergestellt und alles weitere erfahrt ihr in einer der nächsten Geschichten...

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