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"Wie du in den Wald hinein brüllst, so schallt es auch wieder heraus“

Der Kunde ist König in Kanada und das fühlt sich verdammt gut an. Nein, es ist nicht die bekannte, aufgesetzte Ami-Oberflächlichkeit, sondern ein scheinbares Grundbedürfnis. Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Sonne kann ja auch nicht jeden Tag scheinen.
Auf dem Weg durch das große Land haben wir die auffallende Freundlichkeit damit begründet, dass die Leute einfach wenig Menschen zum Schnacken finden. Nach dem Motto: wenig Menschen, viel Gegend, selten Gelegenheiten, aber immer was zu erzählen. Die Leute gehen sich eben nicht auf den Geist oder hocken sich in ihrem Wohnbunker auf der Pelle. Hier ist der Nachbar im Hinterland viele Kilometer entfernt und die Freude ähnlich groß, wie beim Besuch der Schwiegermutter, die „leider nur“ einmal im Jahr zu Besuch kommt. Sich rar machen, steigert bekanntlich die Wiedersehensfreude und Beliebtheitsgrad. Aber wieso lächeln sich die Menschen in der völlig überfüllten Großstadt an? Die Nachbarn winken sich zu. Der Busfahrer erklärt Ausländern geduldig die Umsteigemöglichkeiten. Wie in Australien müssen wir uns erst einmal an die Freundlichkeit gewöhnen und unser Misstrauen ablegen. Wer uns behilflich sein will oder freundlich ist, muss uns nicht zwangsweise ausrauben (das ist wieder die andere Geschichte). Manchmal drängt sich uns der Gedanke auf, dass einige Leute das Lebensmotto „morgens ein Joint und der Tag ist dein Freund“ umsetzen. Aber sie sehen überhaupt nicht bekifft aus. Ganz im Gegenteil. Sie sind hellwach und machen alles sehr bewusst: der Busfahrer begrüßt seine Fahrgäste mit Blickkontakt und seine Gäste verabschieden sich beim Aussteigen. Teilweise wird sich ein schönes Wochenende gewünscht und wir sitzen grinsend im Bus und verstehen die Welt nicht mehr. Deutschland die Servicewüste! Wir sitzen also mit offenem Mund im Bus und staunen, wenn das Fahrrad eines Fahrgastes ohne murren vorn am Bus in einen Fahrradständer gestellt wird. Behinderte Menschen im Rollstuhl oder alte Omis mit Gehwagen eine Rampe ausgefahren bekommen, vom Busfahrer angeschnallt werden und so ein winziges Stück Selbständigkeit bewahren können. Das Pläuschchen im Restaurant oder im Bus lockert den Alltag auf, verbreitet eine positive Stimmung und macht das Leben einfach l(i)ebenswerter. Warum immer die Hektik oder die eigene Unzufriedenheit an Andere auslassen. „Busy sein ist in“, aber warum nicht einfach eine kleine Oase in der hektischen Welt schaffen und sich mal nicht so ernst nehmen?

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