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„Nicht Gegenstände hinterlassen Spuren, sondern Menschen und Situationen“

Nach dem Einbruch waren wir geknickt, manchmal etwas sentimental und traurig. Nicht weil wir einen Haufen Geld in die Hand nehmen mussten, um alles zu reparieren, zu ersetzen oder zu verschicken, sondern weil uns Erinnerungsstücke fehlten. Aber was hinterlässt eigentlich so eine tiefe Bedeutung? Der materielle Wertverlust schmerzt nur der Geldtasche. Aber die kleinen Dinge, die an besondere Momente und Menschen erinnern, wie Familienfotos, Abschiedsbriefe und viele Fotos aus unserem Leben. Und gerade in dieser Situation haben wir Menschen getroffen, die alles vergessen ließen und die es „wert waren ausgeraubt zu werden“. Hätten wir diese Personen getroffen, kennen gelernt und so eine intensive Zeit mit ihnen verbracht, wenn wir nicht ausgeraubt worden wären? NEIN!
Maria in Golden: Maria war eine spanische Immigrantin, hatte einen unbändigen Redeschwall und ein großes Herz. Sie interessierte sich für Politik, Wirtschaft, für das Leben und putzte ihre Zimmer im Bed & Breakfast mit einem tragbaren Kopfhörer, um politische Reden zu verfolgen. Sie versorgte uns mit Käsebrote, alten Jeanshosen ihres Mannes und reduzierte die Zimmermiete.
Deb und Brian in Golden: Das Pärchen aus Calgary verbrachte seinen Kurzurlaub zum Skifahren und wir trafen sie in unserer Unterkunft. Ohne lange Überlegung boten sie uns einen Kurzurlaub oder kostenlose Übernachtungen in Calgary bei sich zu Hause an. Sie nahmen uns am Ostersonntag um 7 Uhr morgens zum Berggottesdienst in Kicking Horse mit und machten die Türen auf, um neue Menschen an diesem Tag zu treffen.
John und Sandy in Golden: John war der Prediger beim Ostergottesdienst auf dem Berg. Bei eisiger Kälte stand er grinsend im Wind und versprühte seine Lebensfreude. Er und seine Frau Sandy luden uns zu sich ein. Der Abend bei ihnen im Holzhaus auf dem Land begann mit einem ungeplanten Abendessen mit der gesamten Familie, Rotwein und schönen Gesprächen. Die angebotene Skiausrüstung brauchten wir schließlich nicht mehr, weil Plörk seine Kanadareise nicht fortsetzen wollte, aber der Abend bleibt in unserem Kopf.
Die Jungs in Fernie: Die Einladung auf ein Bierchen in ihren schwarz besprühten Wohnwagen kam schnell und die spätere Einladung auf eine Snowmobil-Tour im Tiefschnee noch schneller. Die Jungs arbeiteten viel und trafen sich regelmäßig am Wochenende, um ein Bier zu viel zu trinken und Jungskram zu machen wie Snowmobiling oder Wakeboarden. Im März ließen sie sich einen verhassten „March-Mustarche/Märzschnurrbart“ wachen und hatten einen Monat lang mit ihrem Pornobalken Spaß. Und dieser Spaß war für ein Wochenende auch für uns ansteckend.
Yvonne und Ilse in Vancouver: Ein Freund aus Hamburg steckte uns die Emailadresse von Yvonne mit den Worten zu "total nett und wenn ihr mal Probleme habt". Die hatten wir und Yvonne half ohne lange zu fragen und ohne das sie uns kannte. Von ihrer Mutter Ilse wurden wir in Vancouver eingeladen und durften bei ihr wohnen. Aus den geplanten 4 Tagen wurden 3 Wochen und die kleine Wohngemeinschaft wurde durch eine Ilse-Freundin Namens Patty vervollständigt. Unsere 81jährige Ilse und die drei Wochen Vancouver sind es wert, in einer weitern Geschichte beschrieben zu werden. Fortsetzung folgt.

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