"Der amerikanische Goldrausch- allerdings nicht in Alaska, sondern in Kanada"
Klingende Namen wie Klondike, Yukon, Dawson City und Bonanza Creek lassen Herzen höcher schlagen. Die Dollarzeichen erscheinen in den Augen und Männer träumen ihren Jungstraum, einmal im Leben mit einer Goldwaschpfanne am Fluss zu sitzen und nach Goldnuggets zu suchen. Komischerweise verbinden wir diese tollen Namen immer mit Alaska und dem großen Goldrausch am Ende des 19. Jahrhunderts. Es hat ja auch alles ziemlich weit im Norden stattgefunden und da können die Grenzen schon mal verschwimmen. Fakt ist, die Amis haben zwar auch Gold in Alaska gefunden, aber "der berühmte Goldrausch" fand im Yukon (nördliche Provinz, grenzt an Alaska) statt, und das ist eindeutig in Kanada. Waren die Kanadier also einfach zu bescheiden, um das große Ereignis für sich zu vermarkten, hat ihre Marketingmaschinerie versagt oder erzählen die Amis selbstgestrickte Märchen (was schon mal verkommt, auch heute noch)?
Den Goldrausch müssen wir uns wie das Spiel "stille Post" in der Schule vorstellen. Einer sagt was, der Nächste baut die Geschichte um, und am Ende bleibt nur ein bescheidenes Wort "Gold" übrig. Daraufhin zogen Hunderttausende- überwiegend Amerikaner- los, um über Nacht Millionäre zu werden. Sie kamen per Schiffe in Skagway in Alaska an und mussten einen verdammt hohen "weißen Paß" in den Yukon überqueren. Die Farbe "weiß" natürlich nicht wegen der romantischen Kirschblüte im Frühling, sondern wegen der meterhohen Schneemassen. Die Fotos kennt wahrscheinlich jeder, wo sich zwei gepunktete Linien-ähnlich einer Ameisenstraße- einen Weg nach oben bahnen. Einen leichteren mit vorgeschlagenen Stufen im Eis und natürlich mit einer entsprechenden Mautgebühr versehen. Jeder musste Lebensmittel für ein Jahr vorweisen, ansonsten war hier bereits der Traum vom Gold ausgeträumt. Und das Ganze fand, um es noch ein wenig schwerer zu gestalten, bei minus 60 Grad, in Wollpullovern und mit einfachen Lederschuhen statt. Wer es bis dahin geschafft hatte, musste mit einem Schiff den Yukon hochschippern, um dann schließlich in Dawson City zu erfahren, dass alle Claims bereits abgesteckt waren. Dawson City platzte also in kürzester Zeit aus allen Nähten, war über Nacht zu einer der größten Metropolen gewachsen und genauso schnell wieder in den Provinzstatus zurückgefallen. Allerdings hat die Stadt den Charme der alten Goldrauschzeiten bis heute nicht verloren. Am Klondike und am Yukon können für 10 $ Claimrechte gekauft werden und die ewigen Träumer arbeiten sich mit schwerem Gerät durch den Permafrost in tiefere Erdschichten vor. Die Landschaft sieht mittlerweile völlig umgekrempelt aus. Wie im Wattenmeer, wenn sich der Wattwurm durch den Schlick frisst und hinter sich die langen gekräuselten Wurmhaufen hinterläßt. Aber heute wie damals steht am Ende dieser mühsamen Arbeit das ausdauernde Goldwaschen. Stundenlang im eiskalten Wasser die Pfanne geduldig schwenken, damit das schwere Gold sich unten am Boden ansammelt. Rissige und trockene Hände sind gewollt, weil selbst der geringste Hauch von Handcreme das Gold aufschwimmen läßt und das kleine Glück sozusagen den Bach runter fließt.
Die bunten Holzhäuser in Dawson City stehen seit über 100 Jahren windschief auf Permafrostboden, müssen den kalten langen Wintertagen trotzen und versprühen immer noch den alten Charme der staubigen Goldgräberzeit. Der Holzsteg, der jedes Haus verbindet, zieht sich wie ein Spinnennetz durch Dawson City, läßt den Permafrostboden und den Staub der ungeteerten Straßen unter sich und scheint die wenigen Bewohner miteinander zu verbinden. Die Touristen, die es bis Dawson City auf den holprigen Straßen geschafft und die mittlerweile hohen Benzinpreise nicht scheuen, werden freundlich aufgenommen. Und wer nach dem riesigen Sahneeis an der Hauptstraße und der romantischen Autofährfahrt (maximal 6 Autos) über den Yukon noch nicht genug von dieser charmanten Stadt hat, der muss einen kleinen Abstecher in den Sourdough Saloon machen. Eine alte Legende berichtet von einem abgefrorenen Zeh aus der Goldgräberzeit. Der Zeh ist zwar nicht mehr taufrisch, dafür aber besonders schwarz und ist mit einem riesigen verknöcherten Zehnagel versehen. So einen, den die Nagelschere nur noch unter großen Mühen durchschneiden kann und dabei unschöne Geräusche von sich geben muss. Dieser Zeh wird also in die Whiskygläser der Touristen gelegt und der Nagel muss beim Austrinken die Lippen des Mutigen berühren. Hört sich ekelig an, ist es aber nicht. Denn dieser Zeh ist wohl der sterilste Zeh, den es auf der Welt gibt. Er wird für einen kleinen Obolus von 5$ gehegt und in Alkohol frischgehalten. Die neuste Legend besagt, dass der Zeh über die vielen Jahre immer mal wieder ausgetauscht werden musste. Menschen vererben ihren Zeh nach dem Tod, damit wenigstes ein Teil weiterlebt und damit auch diese weltberühmte Legend.