"Havanna, viva la revolución“
Der Empfang am Flughafen ist herzlich und mit alter DDR-Nostalgie. Die Zollbeamtin spricht englisch, stellt keine weiteren Fragen zu unserer „casa particular“ (Privatunterkunft) und empfängt uns mit einem knappen Minirock inklusive Netzstrumpfhose. Und überhaupt stimmen unsere Vorstellungen bzw. Vorurteile überhaupt nicht mit der Realität überein. Alles ist anderes, aber nicht schlechter oder besser. Das vertraute deutsche Muster in schön, schöner am schönsten funktioniert nicht. Aber was stimmt, die Menschen sind offenherzig und entspannt. Und wir kommen von unserem Reise-Endplanungs-Stress ziemlich schnell runter. Was uns sofort auffällt, es gibt hier nicht den Konsumeinheitsbrei. Wie denn auch? Fährt man durch die Metropolen Europas sehen alle Innenstädte und die gekleideten Menschen gleich aus. Hier fehlen die Werbeversprechen und die leuchtenden Werbetafeln, in den Supermärkten gibt es ein Sorte Toilettenpapier (natürlich einlagig), die Verkäuferinnen tragen megakurze Miniröcke, über drei Regalreihen gibt es die gleichen Produkte und es stehen mächtig viele Angestellte herum, die ein Pläuschchen halten oder den Musiktakt mitklopfen.
Im restaurierten Altstadtkern von Havanna ist es wie überall auf der Welt. Kellner schießen aus den Touri-Restaurants und preisen in 3 Sprachen das Essen an, Straßendiebe (gerne auch im Minirock) geben sich als deutsch liebende Kumpels aus, auf den Straßen stehen plötzlich saubere Blumenkübel, es fahren keine Autos Zentimetergenau an den Hacken vorbei und für Fotos mit „echten Kubanermamis mit Zigarre im Mund“ werden Divisen aufgerufen.
Also nichts wie raus aus dem touristischen Epizentrum. Das Leben auf der Straße miterleben, die kleinen Werkstätten in den Hauseingängen entdecken und einfach runterkommen.
Einer touristischen Sentimentalität sind wir unterlegen, die jedoch schnell in grauen Kohlenmonoxydwolken verschwand: Eine Taxifahrt im uralten Chevrolet für umgerechnet 4 Euro. Die Busfahrt zuvor hat 1 Cent gekostet und war inklusive (Haut-) Kontakt mit Kubanern. Für unsere Sentimentalität hätten wir also 400x Busfahren können. Überhaupt haben wir trotz literarischer Reiseführerkenntnisse 2 Tage gebraucht, um die verschiedenen Währungen zu durchblicken, zu besorgen und auszuprobieren. Fazit: für die ersten 2 Bananen haben wir 2 Geldeinheiten (CUC) bezahlt. Das zweite Mal haben wir auch 2 Geldeinheiten (Pesos, einheimische Währung) bezahlt. Nach einigen holprigen Kopfrechnungsanstrengungen hätten wir beim ersten Kauf 50 Bananen in Pesos bekommen können. Das ist nicht einmal übers „Ohr gehauen“, sondern einfach nur sozialistische Revolutionswirtschaft. Fidels Finte funktioniert, aber zum Glück bei uns nur 2 Tage. Die „Tuttoincludo“ Touristen werden es sowieso nicht bemerken.