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„Purolator, der Kurier unserer schlaflosen Nächte“

Unser Raub entwickelte sich zu einer „never ending story“ und ließ uns von tief betrübt, stocksauer, himmelhoch jauchzend bis zu angewidert sein alle Gefühlsregungen durchleben. Nachdem wir uns damit abgefunden hatten, dass alles weg war, klingelte mein Handy. Keiner ruft auf diesem Handy an, denn bis auf das Callcenter der Telekom (irgendwann brülle ich jemanden an) mutet uns keiner die hohen Roamingkosten zu. Er meldete sich mit John und verkündete die freudige Neuigkeit, dass sie die Einbrecher dingfest gemacht hätten...in Thunder Bay/Ontario. Ich in meiner grenzenlose Freude bot an, die Sachen direkt von der Polizeistation abzuholen. Thunder Bay? Irgendwie klingelte es bei mir im Gedächtnis und ich hatte unsere Trans-Kanada-Fahrt wieder vor Augen. Auf der Landkarte befand sich dieser Ort in der Mitte der Scheibe. Treffer und versenkt. Bildlich gesprochen, hatten sie uns also in Hamburg beklaut und irgendwelche Dorfsheriffs in Villa Do Bispo (Südwestportugal) hatten nun einen Haufen geklauter Sachen vor sich liegen. Noch nie von so einem Fall gehört? Unsere Sheriffs und alle anderen Leute auch noch nie! Also, Neuland für Alle.
Die „schlauen Jungs“ hatten also in British Columbia einen „unauffälligen“ Geländewagen der Marke HUMMER geklaut und haben ihre Wildwest-Raubtour durch das halbe Land gemacht. Die Sheriffs brauchten sich also nur noch neben den geklauten Wagen auf die Lauer zu legen und abzuwarten bis die Jungs in ihrem Hotel ausgeschlafen hatten. Das Klicken der Handschellen konnten wir bis Fernie hören. Und dann kam die freudige Nachricht von unseren Sergants John und Bob (Riesenschätze), dass sie unsere großen Taschen sichergestellt hätten. Hurra! Wir sahen uns schon wieder in unserer deutschen Unterwäsche und in unseren Lieblingsklamotten durch die Welt springen. Der Luftsprung endet mit einem knallharten Absturz, als wir unsere Taschen öffneten. Vorab muss ich schon mal erwähnen, dass ich mir beim Durchschauen der Klamotten 4x die Hände gewaschen habe. Ein Wunder, dass mir nicht sofort ein Riesenherpis gewachsen ist. Denn die Verpackung war zwar unsere, leider aber nicht der Inhalt. Wir hatten also aufwändig einen Kurier „Purolator“ beauftragt, der die Klamotten durch den halben Kontinent gefahren, der unseren Auftrag unterwegs leider komplett verschlampt, der viel Geld von unserer Kreditkarte abgebucht, der uns durch 5 Callcenter-Mitarbeiter pro Anruf die letzten Nerven geraubt hatte und uns zu allem Übel immer noch keine Rechnung zu schicken konnte. Der Auftrag ist leider aus dem System verschwunden...
Das deutsche Konsulat in Vancouver wollte bei der ganzen verzwickten Geschichte  auch nicht wirklich helfen. Da unsere Pässe nicht geklaut waren, schien es kein Notfall und damit auch kein Standardfall zu sein. „Stempel drauf, Akte zu“ funktioniert in unserem Fall nicht.
Also haben wir uns wochenlang allein durch viel Polizeistationen Kanadas telefoniert, haben in unserem „denglish“ Emails geschrieben, sind Neukunden bei einem kanadischen Kurier geworden, können Leute am Telefon auf „denglish“ mittlerweile die Hölle heiß machen und haben alle bürokratischen Hürden eines Diebstahls im Ausland überwunden.
Und schließlich hatten wir beim Öffnen „unserer Taschen“ nicht Weihnachten und Geburtstag zusammen, sondern unter anderem eine Trainingshose in 4x XL (Ingo passt in ein Hosenbein und ich in das andere) und völlig vergilbte fiese Männerunterhosen mit Seiteneingriff. Alle Dinge hatten feinsäuberlich einen polizeilichen Anhänger, waren protokolliert und jetzt durch die 10ten Hände gegangen. Unsere wenigen Sachen, die in all dem Krempel zu finden waren, ließen den Frust nicht ganz so groß werden. Was sagte ein Freund: „eure Dinge sind nicht weg, sie sind nur woanders.“ Ein großer Müllbeutel verschwand also in den nächsten Müllcontainer, ein anderer Haufen wurde einem guten Zweck in Vancouver gespendet und der kleinste Teil gehörte tatsächlich uns. Emotional nicht gleich; erst nach einer gründlichen Wäsche mit Desinfektionsmittel. Vom Raub bis zum freudigen „ins Herz schließen“ hat es 4 Wochen gedauert. Gut, dass dies nicht unser gesamter Jahresurlaub war! Wir fahren zwar nicht in einem luxuriösen HUMMER durch die Welt, dafür sind wir freigelassen und die bösen Jungs eingekerkert. Und wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich immer noch am Besten.

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