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„Warum mehr nicht immer mehr ist"

Kanada, der Sprung zurück in den Konsumwahn und in den schneereichen Winter. Die Ankunft in die Realität konnte nicht unsanfter sein. Zollbeamte in Kanada tragen keine Miniröcke wie auf Kuba, sondern eine strenge Uniform. Und so ist auch die Befragung bei der Einreise. Warum kommen zwei Deutsche aus Kuba und dann auch noch für eine so lange Zeit? Irgendwann war also auch der lang ersehnte Stempel im Reisepass, der angemietet Wagen war eingefroren und trotz der späten Ankunft (1.30 Uhr mitten in der Nacht) empfing uns unsere Gastmutter Joan zum Glück herzlich.
Auf dem Flug von Havanna nach Halifax empfanden wir bereits das Lesen der Boardzeitung als Luxus. Hochglanzpapier mit Werbung. Unsere Sinnesknospen waren während der Kubazeit wieder sensibilisiert worden und bekamen nun einen Overkill. Große bunte Werbeplakate auf dem Flughafen, Warn- und Hinweisschilder in allen möglichen Größen und Farben. Das was Kuba zu wenig hatte, empfanden wir nun als viel zu viel. Der rote Faden des „zu viel“ zog sich durch die nächsten Tage: 300 Meter lange Regale mit verschiedenen Kartoffelchipssorten, einem Klavierspieler oberhalb der Regalflächen spielte live Kaufhausmusik (kein Scherz) und die Variante des „low fat“ und „normal fat“ wurde durch ein „medium fat“ und einem „no fat“ pervertiert.
Kanada hatte in diesem Winter so viel Schnee, dass der Rekord seit 1970 gebrochen wurden ist. Unsere Reiseetappe Quebec erhielt statt seiner 1,5m Schnee gleich 3m Flauscheschnee. Lastwagenweise wurden die störenden Schneemengen aus der Stadt transportiert oder vielleicht auch in die europäischen Skigebiete verschifft? Wie hält sich wohl Schnee im Containerschiff?
Das „zu viel“ setzte sich dann leider am zweiten Tag in Kanada auch in der Verspätung unseres Containerschiffs fort. Wir saßen also statt geplanter 2 Tage ganze 8 Tage in Halifax fest, denn der Sturm vor England hatte zum Glück unser Containerschiff nicht zum Kentern gebracht, aber zum Einlaufen in den Hafen gezwungen. Aber besser so, als wenn der Wagen samt Inhalt gar nicht angekommen wäre. Manchmal kann man sich auch Dinge passend reden, oder?
Und natürlich gab es in den ersten Tagen gleich ganz viel Natur und Weite. Und die vorab angekündigte Gastfreundschaft/Höflichkeit der Kanadier als oberstes Klischee wurde in fast jeder Situation erfüllt. Davon konnte es glücklicherweise gar nicht genug und zu viel geben. Und was die rote Farbe bei den heldenhaften Mounties auf sich hatte, gibt es an späterer Stelle zu erfahren. Die „viel zu rote“ Uniform war auf jeden Fall unerwartet komisch und eben ziemlich rot, wie die kanadische Flagge.

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