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"Alaska- die letzte Grenze, wie die Amis stolz sagen"

"Welcome to America" schmettern uns zwei US-Amerikaner stolz entgegen. Gut, dass wir so konstaniert und sprachlos sind, dass wir gar nichts erwidern können. Die Beiden kommen also wie eine Fatamorgana auf uns zu gesteuert: beide in marineblauen Bundfaltenhosen, weißen Turnschuhen, weißen gebügelten Blusen und darüber tragen Beide einen marineblauen Pullunder mit der US-amerikanischen Flagge. Sie trägt zu allem Überfluss noch ihr Nationalsymbol "den Weißkopfadler" als übergroßen goldenen Anhänder um den Hals. So viel geklonter Patriotismus verschlägt selbst uns die Sprache. Ingo erwacht als Erster aus seiner Hasenstarre, springt euphorisch auf die Beiden zu und gratulierte ihnen in seinem besten Englisch zu so viel Vaterlandsliebe. Und natürlich darf er ein Foto von Ihnen machen. Zwei Tage später in einem anderen Ort, sehen wir sie wieder. Dieses Mal mit einem anderen Pullover, aber dem gleichen Motiv in Partnerlook.
Interessant ist, dass die Bewohner von Alaska uns nie mit dieser Floskel "Welcome to America" begrüßen. Dies wird gerne von den Urlaubern aus den "lower 48-states" unmotiviert heraus posaunt. Vielen Dank, dass sie uns schon gleich im Namen der vielen anderen Staaten, wie Mexiko, Nicaragua und Chile begrüßen. Oder soll dieser wunderschöne Kontinent nur aus diesem einen überwältigenden Staat bestehen? Aber nein, wir lassen uns auf keine geografischen und politischen Diskussionen ein und bedanken uns mit einem freundlichen Kopfnicken. Wir sind ja schließlich Deutsche oder besser Europäer und repräsentieren somit auch unser Mutter- und Vaterland. Außerdem wurde uns in einer Runde von Amerikanern geraten, mit unseren etwas doppeldeutigen Witzen vorsichtiger zu sein. Ups, wie bitte? Es gibt mittlerweile einen Heimatschutz, der seine Zivilbevölkerung nicht nur vor den Bösen, sondern auch vor sich selbst schützt. Dieses schwarze Kapitel kommt uns aus unserer jungen ostdeutschen und alten westdeutschen Geschichte schon sehr bekannt vor. Uns läuft ein Schauer über den Rücken, wir sind kurzfristig eingeschüchtert und müssen diesen Wahnsinn erst einmal sacken lassen. Uns war klar, dass alle Kommunikationswege vom "Big Boss is watching you" beäugt werden. Aber dass sich Amerikaner Gedanken darüber machen, mit wem sie ihre schlechten Witze teilen und bei wem sie lieber den Mund halten, ist doch ein grenzenlosen Wahnsinn. Wir schütteln uns also die Gänsehaut vom Rücken und machen diesen noch gerader. Nein, als grenzenlose Europäer werden wir immer unsere Meinungen vertreten und auch unsere schlechten politischen Witze zum Besten geben. Dies ist unsere letzte erkämpfte Grenze!
Manchmal ist Schweigen aber auch Gold bei den Amerikanern. Oder wer erinnert sich noch an das Exxon-Valdez-Örtchen in Alaska? 1989 war dies die Großkatastrophe in diesem labilen Ökosystem direkt vor dem Bergort Valdez inmitten von grandiosen Gletschern. Heute liesen wir in den bunten Hochglanzbroschüren nur noch heroisch über die "ach-so-lange-800-Milen-Ölpipeline" vom Polarmeer quer durch Alaska nach Valdez und was für ein Meisterwerk dieser Bau ist. Ja, er durchschneitet diese wunderschöne Landschaft aufgrund des Permafrostes überirdisch, auf biegsamen Stützen stehend und für alle damit sichtbar. 1964 wurde das alte Valdez erst durch ein Erdbeben und dann durch eine gewaltige Springflut ausgelöscht. Dies scheint doch wirklich der geeignete Ort für so eine Art der Energieversorgung und des Transports zu sein, oder? Aber Schweigen ist Gold und manchmal muss das Glück auf ganz banale Weise heraus gefordert werden. Zum Glück werden selbst die Amerikaner nicht älter als 100 Jahre alt und so dürfen sich die Nachkommen mit den alten Sünder herumschlagen und nicht sie selbst.
Wir sind also angekommen in dem Land mit der letzten Grenze und den unbegrenzten Möglichkeiten. In dem Land, wo wir morgens nicht nur vom Vogelgezwitscher sondern auch von Gewehrschüssen wach werden. Dies ist einem Land, wo Jagen und Angeln den Jungs schon in die Wiege gelegt wird, auch nichts ungewöhnliches. Ungewöhnlich ist nur, dass die Gewehre 500 Meter vom Campingplatz in Valdez in der Natur abgefeuert werden dürfen. Früh übt sich, wer das Ziel auch treffen will. Und so werden die Gewehre, die bei uns in Deutschland zu Staubfängern mutieren, zu Übungszwecken immer mal wieder richtig ausprobiert und für den Ernstfall fit gemacht.

 
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Buch 12
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