"Ein Indianer kennt kein Schmerz, oder?"
Wir durften uns beim Kinderfasching als Indianer, Häuptlinge oder Cowboys verkleiden. Kein Junge wollte ein Indianer sein, denn die haben bekanntlich immer verloren. Wir durften als Kinder also diese bösen Worte, wie Indianer noch in den Mund nehmen (wie auch Mohrenköpfe oder Negerküsse). Heute als Erwachsene treffen wir auf keine Indianer mehr, sondern auf die First Nations. Plural muss es sein, denn es gab nicht nur einen Stamm, sondern viele. Und wir Deutschen sind ja mit negativer Geschichte vorbelastet und darauf trainiert, die richtigen Begrifflichkeiten zu verwenden. Also heißt es heute, First Nations oder Aboriginals. Leider gehören sie trotz ihrer neuen Namensgebung immer noch nicht zu den Gewinnern. Es wirkt schon alles sehr bemüht und die interessante Kultur erleben wir in der ersten Zeit in Kanada nur in Souvenirshops in Form von kitschigen T-Shirts und bedruckten Teetassen. Wir geben nicht auf und suchen weiter. In dem kleinen Ort Hazelton zwischen Prince Rupert und Prince George erleben wir dann zum ersten Mal ein kleines Museum, welches mit einfachen Mitteln ihre Kultur darstellt und erklärt. Und wir haben zum ersten Mal einige Aha-Effekt und begreifen, warum so wenig bekannt ist. Die First Nations haben keine schriftlichen Überlieferungen und somit keine alten Bücher. Sie saßen zusammen und haben ihre Kenntnisse persönlich und "Auge-in-Auge" überliefert. Die Winter waren lang und so vertrieben sie sich die Zeit mit Geschichten am Lagerfeuer und mit ausgiebigen Feiern.
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