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"Das unbekannte Naturwunder und der endlose Farbkasten Boliviens"

Es gibt Flecken auf dieser Erde, da möchte man am Liebsten vor Freude schreien, vor Ehrfurcht verstummen oder von Emotionen geschüttelt einfach nur weinen. Bolivien hat diese Perlen der Natur, die in Europa so gut wie unbekannt sind: der Nationalpark Eduardo Avaroa unter anderem mit seinen Lagunen „Verde“ und „Colorada“ und der beschwerliche Weg durch diese unvergessliche Natur gehören eindeutig dazu.
Mit gemischten Gefühlen schließen wir uns einer geführten Landcruiser-Tour an. Denn wenn man 1.100 Kilometer in 4 Tagen auf engstem Raum zusammen zurücklegt, dann kann die zufällige Gruppenzusammenstellung schnell zu einem echten Griff ins Klo werden. Aber unserer bolivianischer Fahrer und Reiseleiter Juvenal ist ein echter Sonnenschein und lacht uns schon morgens um 5 Uhr herzlich an. Unsere Köchin Anna ist zu Beginn scheu, versucht wahrscheinlich damit ihre zwei fehlenden Schneidezähne zu verbergen und kocht einfach göttlich. Und dann sind da unsere zwei jungen Franzosen, die fließend spanisch und englisch sprechen, neugierig auf das Leben sind und unsere gemeinsame Zeit mit interessanten Gesprächen bereichern.
Die ersten Kilometer führen uns von Tupiza durch schroffe Berglandschaften. Der Schotterweg schüttelt uns durch, der Wagen holpert über Geröll und wir sind heilfroh, dass wir unserem Camper eine Verschnaufpause gönnen. Wir fahren an Lamaherden vorbei, die von den Familien gehütet werden, während die Männer unter Tage in den Minen ihr Geld verdienen. Überhaupt scheint es in Bolivien an jeder Ecke eine Mine und irgendein Mineral zum Abbauen zu geben. Es ist Sonntag und einer unserer zahllosen Sandweg endet in einem kleinen Dorf mitten auf dem Fußballplatz, wo sich die Familien an ihrem einzigen freien Tag treffen. In San Antonia de Lipez verbringen wir in einem einfachen Lehmraum bei einer scheuen, einheimischen Familie unsere eiskalte Nacht und werden wieder an den alltäglichen Luxus einer Heizung und Licht in Deutschland erinnert, der nun so fern ist.
Am nächsten Tag verschwinden die zackigen und zerklüfteten Berge immer mehr. Das Aussehen der Landschaft wird weicher. Kakaogepuderte Berge fließen in braunen, roten, grauen und weißen Farbnuancen ineinander und kündigen die noch kommende Traumlandschaft wage an. Und dann stehen plötzlich diese unwirklichen Tiere, pinkfarbene Flamingos, in der Laguna Kollpa und lassen das natürliche Farbenspiel noch kitschiger erscheinen. Obwohl es nicht unsere ersten Flamingos in dieser Höhe sind, freuen wir uns über den Anblick wie Kinder über den Weihnachtsmann. Einige Dinge verlieren einfach nie ihre Wirkung.

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