"Des Teufels Minenarbeiter"
Sie ziehen sich wie ein schwarzes Band durch das ganze Land. Kleine Trampelpfade oder große Lkw-taugliche Straßen schrauben sich die steilen Berge hinauf. Die Abraumhalden der Minen verraten ihre Arbeiten. Wie Maulwürfe. Sie verlassen tapfer, vielleicht auch ohne zu denken, das Sonnenlicht, um nach ihrer Schicht verdreckt herauszukommen. Nicht nur äußerlich verdreckt, sondern was viel schlimmer ist, innerlich. Die Minenarbeiter ziehen mit jedem schweren Atemzug nicht nur den wenigen Sauerstoff in ihre Lungen ein, sondern auch Schwermetalle, Asbest und den todbringenden Staub.
Wir diskutieren viel, bevor wir uns mit einer Tour in Potosí in den Berg Cerro Rico bringen lassen. Und das Argument eines Freundes, Ihr müsst es sehen und Euch ein eigenes Bild vom Schicksal machen, damit ihr anderen Menschen davon berichten könnt, ist schließlich der ausschlaggebende Punkt. Wir sind nicht abenteuerlustig, wie es einige Agenturen anpreisen, wir sind nach dem Schauen des Dokumentarfilms "The devils miners / Des Teufels Minenarbeiter" realistisch. Wir wissen, bevor wir in den Berg steigen, dass die Spanier in ihrer Kolonialzeit durch die Minenarbeit 8 Millionen Menschen "nur" in diesem Berg getötet haben. 8 Millionen! Dass die katholische Kirche außerehelichen Geschlechtsverkehr gestattet hat, damit der Nachschub an Arbeitskräften gesichert war. Das Teufelszeug Koka wurde sowieso zugelassen, weil die Menschen ansonsten ihre 20 Arbeitsstunden nicht durchgehalten hätten. Eine Museumsführerin sagt uns salopp im Vorfeld in der "Casa de la Moneda", dass wir heute keine schwarzhäutigen Bolivianer (ehemals schwarzafrikanische Sklaven, die in die Minen deportiert wurden) in Potosí sehen würden, weil "die das Klima nicht vertragen haben". Manchmal macht so viel Kaltschnäuzigkeit einfach sprachlos.
Unsere Minentour beginnt, bekleidet mit Schutzkleidung, Gummistiefel, Minenhelm und Helmlampe, auf dem "Plaza de mineros". Hier können wir alles an Geschenken kaufen, was ein Minenarbeiter für das tägliche Durchstehen seiner Arbeit benusst: 96% Alkohol, Kokablätter, Arbeitshandschuhe, Zigaretten, Dynamit oder Getränke. Wir kaufen ein und ahnen jetzt noch nicht, wie sehr sich die Arbeiter später darüber freuen werden.
Am Eingang der Mine, treffen wir vor allem junge Arbeiter, die tonnenschwere Luren mit Abraum aus dem Schacht schieben. 10 bis 15 Kilometer legen sie pro Tag zurück. Das rhythmische Dröhnen des riesigen Generators verfolgt uns und sie bis in den Berg.
Unsere Führerin kennt scheinbar jeden in dieser Mine. Sie geht die richtigen Abzweigungen und klettert die richtigen Leitern hinunter. Die Gänge sind teilweise so eng, dass wir auf den Knien hindurch kriechen oder auf dem Hintern über Balken rutschen müssen. Die Leitern sind mit Schlamm verkrustet, glitschig und einige Stufen gebrochen. Teilweise sind die Wege nur einen Fuß breit und rutschen dann als Rampe viele Meter nach unter. Laut Statistik sterben heute 40 Personen pro Jahr in diesem Berg durch Arbeitsunfälle. Sie geht wie selbstverständlich voraus, und es kommt ihr nicht ins Bewusstsein, dass dies vielleicht zu schwierig für Touristen sein könnte. Wieso auch, wenn ihre Verwandten, Freunde und Bekannten es jeden Tag durchstehen können. Ich frage sie allein, warum sie sich so gut in der Mine auskennt. Sie lacht mich mit ihren 35-jährigen Augen bitter an, trägt ihren Ehering am Finger und antwortet, dass ihre Eltern hier bereits gearbeitet hätten und gestorben sind. Ihr Mann soff sich mit hochprozentigem Schnaps in der gleichen Mine tot.
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