"Ab und an sieht man Narben"
Waldwirtschaft! Die Kanadier nennen es Ernte.
Die ersten Erinnerungen, die ich (Ingo) an Kanada habe, haben etwas mit Bäumen zu tun. Kanada war das Synonym für den Baumfäller im karierten Hemd. Riesengroße Flöße, die Flüsse lang trieben oder an der Küste zu den riesigen Sägewerken geschleppt wurden. Es ist (war) ja schließlich viel Wald da. Viel mehr als an anderen Stellen der Erde. Da kann man ja ruhig ein wenig abholzen, oder?
Einer der ganz großen Wirtschaftszweige des Landes mit einer gewaltigen Lobby dreht die Räder für den weltweiten Hunger nach Papier, Essstäbchen und langer Regale unnötiger Presse und Illustrierten, gedruckt auf 1000 Jahre altem (gemäßigtem) Regenwald. Ein Wirtschaftszweig, der sich bereits vor über 100 Jahren alle Rechte auf den Wald Vancouver-Islands sicherte. Eine handlungsreduzierte Regierung, die sich scheut Maßnahmen zu ergreifen, um die verbliebenen Flächen aktiv zu schützen. Arbeitsplätze (Loging-Camps mit 1000 Beschäftigten und mehr je „Clear cut-Einheit“) und natürlich das liebe Geld ...
Die Holzindustrie hinterlässt, betrieben über Jahrzehnte, unglaubliche Äcker und zerstörte Landschaften auf den einst vom Wunderwald bewachsenen Hügeln. Klar wird mittlerweile nach Protesten von „Umweltschützern“ wieder aufgeforstet. Langweilige, schnell wachsende Monokulturen, die dann sortenrein nach ein paar Jahren wieder geerntet werden können. Komisch, dass man beginnt, sich hier in Kanada zu wundern, dass der Borkenkäfer den so geschwächten Wald angreift. Eigentlich wie überall, vor allem in Europa, den dort hat unsere Generation keinen wirklich alten Wald mehr kennen gelernt.
Die normalen Touristenströme bekommen das Desaster kaum mit. Die Holzindustrie hinterlässt geschickt ausreichend breite Streifen an den bevorzugten Strassen, so das der „clear cut“ nicht besonders auffällt. Reiseführer und die BC Tourist-Info führt die Menschen durch die Nationalparkts und zeigen die unberührte Vergangenheit. Der Kanada-Tourist hat ohnehin nicht die Gelegenheit sich in einem 2 – 3 wöchigen Urlaub abseits der Strassen und Wege zu bewegen, das Land ist für europäische Maßstäbe einfach zu groß.
Außerdem ist „der richtige Regenwald“ in den Tropen doch viel bedrohter, oder?
Bei aller Kritik an unserer virtuellen Welt. Google Earth zeigt die Wahrheit in aller Deutlichkeit. Ein Zoom auf den Norden Vancouver-Islands spricht Bände. Und dann versteht man die merkwürdigen Felder in den anderen Regionen Kanadas.
Wen interessierts?. Möchten Sie auch Stäbchen zum Sushi? Zewa wisch und weg!