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„Meiser Petz, Bruno oder der große Kuschelbär“

Die erste Anschaffung für das große Bärenabenteuer in Kanada ist eine Bärenglocke und ein Magazin mit Verhaltensregeln. Wir Deutschen brauchen Regeln und außerdem wollen wir klare Ansagen. Leider werden in dieser Anleitung verschiedene Arten von Bären beschrieben: der Scheue, der Aggressive und der zuerst scheue und dann aggressive Bär oder doch erst aggressiv und dann scheu? Also wie im richtigen Leben. Es gibt nicht nur schwarz und weiß, sondern auch noch Grauschattierungen. Bei der einen Art von Bär soll man sich groß machen und laut brüllen. Bei der anderen lieber seinen eigenen Schwanz einziehen und das Weite suchen. Und bei dem Wolf im Schafspelz soll man gleich das Bärenspray zücken. Ach ja, und tot stellen soll man sich auch bei einer Art. Aber bei welcher? Wir sind überfordert.
Bärenspray heißt vielleicht das Zauberwort. In Vancouver hat sich die Durchschlagkraft des Sprays bis zu den Straßengangs herum gesprochen. Kein Pfefferspray oder Reizgas, sondern das Spray für die Wildnis. Was auf der Straße hilft, kann in der Wildnis doch nicht fehlschlagen. Wir gehen also einkaufen. In dem Geschäft werden unsere Personalien festgehalten, das Spray für den Gang bis zur Kasse versiegelt und wir bekommen den Tipp „warten und erst bei Körperkontakt zum Bären sehr beherzt sprühen.“ Wir gehen auf Nummer sicher, kaufen jeder eine Sprühdose und sind mächtig eingeschüchtert.
Der Frühling kommt und mit ihm die Bären. Oder ist es wir in unserem Norwegenurlaub, dass überall Elchhinweisschilder stehen und wir 4 Wochen durch die Pampa fahren, ohne einen einzigen Elch zu sehen? Wir sind gelassen, sehen die vielen Bärenhinweisschilder und Markierungen in den Landkarten und denken an unseren Norwegenurlaub. Und dann plötzlich ohne Vorwarnung, zeichnet sich ein dunkelbrauner Fleck am Straßengraben ab. Ein Schwarzbär beim Grasen! Er steht nicht lässig im Fluss und greift sich die Lachse heraus, sondern begnügt sich mit seiner vegetarischen Mahlzeit. Es gibt sie also wirklich und wir sehen in den nächsten Stunden mehrere von diesen beeindruckenden Tieren. Ganz ohne Zaun und Menschenmassen, sondern mitten in der Natur. Und wir nehmen uns die Hinweisschilder zu Herzen, die kurz und unverblümt besagen: ein gefütterten Bär, ist ein toter Bär. Denn dort wo die Bären früher gelebt haben, breiten sich die neuen Wohnsiedlungen aus. Die Abfalltonnen sind verlockend und die angeborene Scheu vor den Zweibeinern ist schnell abgelegt. Wie unser bayerischer Bär Bruno soll unser Meister Petz nicht enden. Wie laufen also wie das Christkind mit dem Glöckchen durch den Wald, hängen unser Essen beim Zelten in die Bäume und beim nächsten Direktkontakt (auf einem einsamen Waldweg) werden wir sicherlich die Hosen randvoll haben. Ob mit oder ohne Bärenspray! Wir kommen eben aus Deutschland und da gab es nur einen Bruno oder wie es unser bayerischer Freund Stoiber so schön formulierte „einen Problembären“. Wieso ist der Bär eigentlich das Problem? Ein ausländisches Elternpaar hat seinen Kindern Honig auf die Wagen geschmiert, damit der Bär den Honig von den Kinderwangen leckt. Das sieht für das Familienfoto einfach putziger aus (ist tatsächlich passiert). Vielleicht verwechseln die meisten Touristen Kanada einfach mit Disneyland und den lieb guckenden Schwarzbären mit seinen großen Knopfaugen mit Winny Pooh!

 
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