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„B&B, die besonderen Begegnungen gehen weiter oder was hat Mercedes mit Tequila gemeinsam“

Mit den B&B wechselten nicht nur die Menschen, sondern auch die Hunde. Denn bis auf Winston hatten alle Familien einen Vierbeiner. Von Cody, Karma und Mercedes hatten wir bereits erzählt. Es folgten noch Romeo und Tequila,
Romeo war ein überübergroßer Schäferhund, der ein Ohr nicht aufstellen konnte. Er sah immer etwas tollpatschig aus und flippte im Schnee komplett aus. Seine Besitzer Ray und Sherri in Marathon hatten ihr Haus zu einer Art Melrose Place (analog der Fernsehserie) umfunktioniert. Ein Gast durfte im Haus Wäschewaschen und kochen, ein anderes Ehepaar sich mit Rays Whisky betrinken. Wir durften den Computer und WLAN am Fenster mit Blick auf den See benutzen.
In Dryden hatte die Familie zwar keinen Hund, dafür aber eine Ferienwohnung mit Gemeinschaftsküche und Blick auf den zugefrorenen See. Unser Nachbar war Mechaniker, Jäger, Eisangler und Truckbesitzer. Nach unserem gemeinsamen Abend in der Küche wussten wir alles über unseren Truck und die technischen Feinheiten, das Leben und das Eisangeln. Außerdem zeigten er uns stolz einen geangelten Fisch, den er auf seiner Truckladefläche schockgefroren hatte. Bei minus 30 Grad! Er machte uns außerdem Mut, mit unserem Truck auf den zugefrorenen See zu fahren.
Was kann man von einer Stadt im Kopf behalten, die „Moos Jaw“ also Elchkiefer heißt? Wir werden den Spaziergang von unserer Villa Kunterbund in das Stadtzentrum erinnern. Die Villa Kunterbund befand sich gerade in der Hochphase der Renovierung. Die Besitzer waren in Florida und Freunde mit ihrem Hund Tequila boten die Zimmer recht selbstbewusst zur Vermietung an. Warum auch schließen, wenn gerade renoviert wird? Jedenfalls versprühten diese beiden alten Leute so viel Herzlichkeit, dass wir natürlich einzogen. Der Spaziergang von 30 Minuten bei einer Außentemperatur von minus 32 Grad konnten laut ihrer Aussage nur Deutsche machen. Sie boten uns an, wenn wir auf dem Rückweg eine Abholung haben wollten, dann könnten wir anrufen. Lustige Vorstellung bei einem Spaziergang von nur 30 Minuten. Später wussten wir, wie lang 30 Minuten (und auch noch 30 Minuten zurück) ohne Skihose sein können.  
Kurz vor Calgary in Strathmore sahen wir mitten zwischen abgeernteten Getreidefeldern ein Schild „Bed & Breakfast, rechts abbiegen“. Die Sonne schien auf die goldenen Stoppelfelder und in der Nähe stand ein wunderschönes altes Landhaus. Volltreffer! Und dann stand auch schon der staubige Winston vor seiner Holzwerkstatt, grinste uns an und hieß uns willkommen. Winston war ca. 65 Jahre alt und zeigte uns sein Bilderbuchhaus, in dem wir eine Nacht verbringen durften, Er sagte uns, dass er ein gutes Frühstück machen kann, aber seine Ehefrau Vera konnte das viel besser. Seine Vera war vor einem Jahr verstorben und trotzdem war sie überall präsent. Da waren ihr Zeichnungen, Ihre netten Hinweisschilder in der Toilette, die liebevollen Dekorationen, einfach alles. Am Abend nachdem wir die lokale Küche (Red Angus Steak) probiert hatten, saßen wir mit Winston im dunklen Wohnzimmer und beobachteten zusammen die totale Mondfinsternis. Am nächsten Morgen machte Winston für uns Drei Frühstück, in der wunderschönen Küche mit Blick auf die Felder und im Hintergrund spielte seine Lieblingsmusik James Last. Überraschenderweise fragte er uns, ob er ein Tischgebet sprechen dürfte. Er dankte in seinem Gebet dafür, dass wir seine Gäste sind, etwas zu essen haben und für den Tag, den wir erleben dürften. Am Abend der Mondfinsternis war sein Cousin gestorben…Es war im wahrsten Sinne des Wortes kein „leichtes Frühstück“. Er sagte Dinge, die uns nachhaltig bewegt haben, in einer Art und Weise, die es nur noch sehr selten gibt und Themen die nicht leicht verdaulich waren. Aber gerade deshalb bleibt uns Winston, dieses wundervolle Zuhause und das gemeinsame Frühstück in Erinnerung.

 
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