„B&B steht nicht immer nur für bed & breakfast, sondern auch für besondere Begegnungen“
Unsere Gastmutter in Halifax entpuppte sich schnell als was Besonderes. Sie war 66 Jahre alt, übertraf in Hinblick auf schwarzen Humor alles bekannte (sie hatte zum Beispiel einen Topf mit der Aufschrift „ash of my ex-husband“), fuhr einen roten Sportwagen mit Lederausstattung, verkaufte nebenbei Häuser, hatte einen weißen Hund Namens Cody und ihre Haustüren wurden nie abgeschlossen. Nach dem zweiten Tag bei Joan waren wir Drei nicht nur ein B&B, sondern eine funktionierende Wohngemeinschaft. Wir durften alles in ihrem Haus benutzen (ihr Standardspruch lautet feel free), kochten für Joan, kauften mit ihr ein, halfen bei der Wäsche und schraubten Spiegel an. Selbst die Scheiße von ihrem Cody hatte ich (Birte) tapfer mit 5 Müllsäcken pro Gassigang aufgehoben. Unglaublich wie ein kleiner Hund innerhalb eines Tages so viel Scheiße produzieren kann. Unsere Zuneigung zu Joan und damit auch zu ihrem Hund war so groß, das wir selbst die Scheißereste im weißen Fell bezeitigen wollten. Aber beim Anheben des Schwanzes hat das Biest so laut geknurrt, dass diese unfeinen Reste sich in den nächsten Stunden und Tagen leider in allen Möbelstücken des Hauses abreiben mussten. Der Hund ließ sich übrigens von keinem an den Hintern gehen und saubermachen…
Joan setzte uns nach dem 3. Tag auch nicht vor die Tür, weil wir nur 3 Nächte gebucht hatten und sie ausgebucht war. Sondern wir durften in ihrem Wäscheraum champieren, bekamen jeden morgen ein 5-Sternefrühstück, hörten viele lustige Geschichten von ihr und bekamen bei kleinen Ausflügen in ihrem roten Sportwagen alle Immobiliengeschichten aus Halifax erzählt. Zum Abschied mussten wir ihr das Wohngeld aufdrängen, weil sie eigentlich keins oder viel zu wenig haben wollte. Ihr Kommentar dazu: ich hab euch so gern! Sie war wirklich eine Frau mit einer großen Klappe, aber auch mit einem riesigen Herzen, die ihre gesamte Familie mit ihrem Geld über Wasser hielt. Geld war eben zum Ausgeben da und nicht zum Behalten. Der Abschied von unserer Joan musste umso schneller gehen, weil der Kloß im Hals mächtig war.
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