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"Die Feiernden bilden einen unglaublichen Anblick"

Die Frauen drehen sich unter ihren Bowlern mit Fransenschals und langen Röcken. Alle schleudern ihre Fransen und Röcke synchron im Rhythmus des Morenadas. Fast wie in einer Art Trancezustand wird während der Musik kaum gesprochen, sondern jeder scheint in seiner eigenen Welt zu schweben. Bei der Art der Musik auch kein Wunder, denn die Monotonie der Klänge und die Schräglage der Töne versetzen entweder in diesen Tanzstil oder in einen Hundertjährigen Tiefschlaf. Die Männer im Anzug haben ihren ganz eigenen Tanzschritt und genießen mit dem Bier in der Hand die Abwechslung zum Alltag. Damit der Weg zum Biernachschub nicht so weit ist, werden die Bierkisten an strategisch günstigen Punkten auf dem Platz verteilt und Drumherum getanzt. Bloß keine Zeit des Festes sinnlos verstreichen lassen. Dazwischen marschieren die "Sponsoren des Abends", die Tonnen von Konfetti auf ihre Häupter geschüttet bekommen.
Mit der Sonne des Tages verschwindet auch die angenehme Temperatur. Es wird in Minuten eiskalt und wir vermuten, dass die Feier so früh begonnen hat, damit sie im abendlichen Eisschrank schnell endet. Denkste! Auf einem Lkw steht plötzlich eine zehnköpfige bolivianische "Boyband" in cooler Lederkombination in schwarz-weiß und scheint das Eis zu schmelzen. Ihre Bewegungen sind einstudiert und könnten auch den "deutschen Talenten der Supershows" Konkurrenz machen. Im Wechsel zum Synchrongehopse der Band spielt die Blaskapelle aus Oruro auf. Einzelne Musiker müssen bereits der Schwerkraft und dem Alkohol Tribut zahlen und sitzen schlafend in der Ecke. Sie scheinen sich jedoch im Minutenschlaf zu erholen und unterstützen danach wieder tatkräftig ihre Kollegen. Mit ganz viel Einsatz und mit noch mehr schiefen Tönen. Noch eine Gemeinsamkeit mit den angeblichen Showsternchen in unserer Republik.
Und wie bei jedem Fest, egal auf welchem Fleckchen Erde es stattfindet, liegen sich alle je später der Abend wird in den Armen und stützen sich und ihre Bierbecher. Als wir schon längst in unserem Alkoven liegen, spielt die Musik immer noch bzw. immer wieder von neuem. Wie eine aufziehbare Spieluhr, die für kurze Zeit eine schöpferische Pause braucht, um dann mit neuer Energie zu spielen.
Ein Schweizer Bergführer erzählt uns später, dass deren Besteigung des Berges Sajama (der höchste Berg Boliviens) mit Verspätung starten musste. Einer der bolivianischen Bergführer musste morgens in den Überresten des Festes gesucht und geweckt werden. Ließ die zahlenden ausländischen Bergtouristen einfach warten. Manchmal muss man eben auch in Bolivien Prioritäten setzen...

 
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