"Wieso alte Steine, haarlose Hunde und Arthritispatienten schon immer zusammen gehörten"
Entlang der alten Panamericana in Túcume sehen wir sie unwirklich gen Himmel ragen. Große Hügel, die wie zerflossene Strandburgen aussehen. Staubige Drecksberge, die aus den grünen Feldern und umgebenen Wäldern heraus blinzeln. Sie lassen den kleinen trostlosen Ort Túcume zu etwas Besonderem werden. Leider besuchen diese 1000 Jahre alten Überbleibsel laut Gästebuch nur eine handvoll Besucher jeden Tag. Die Dimension dieser großen Lehmkonstruktion lässt sich allerdings auf 220 Hektar nur erahnen. Und wer Reliefs, Gold, Keramiken oder andere materielle Schätze in einem modernen Museum auf diesem Gelände erhofft, der wird im meterhohen Staub der Jahrhunderte vergebens suchen. Aber die maßlose Weite und die offensichtliche Vergänglichkeit, in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart, lassen uns an diesem Ort ganz klein und vor allem still werden.
Wer weiß jedoch, was die zerfallenden Pyramiden und Lehmkonstruktionen noch in den nächsten Generationen freilegen und entdecken lassen. Seid Februar 1987 lacht keiner mehr über diesen kühnen Traum. Die größte archäologische Sensation des 20. Jahrhunderts heißt heute "Herr von Sipán" und die ersten Fundstücke wurden ganz in der Nähe von Grabräubern in genau diesen schmucklosen Lehmhaufen aufgestöbert. Der alte verscharrte Herr der Mochekultur wurde für seine Reise in "die Welt nach dem Tod" reichlich mit Gold, Keramiken, Schmuck, toten Lamas und seinen wichtigsten Wegbegleitern ausgestattet. Die ausgegrabenen Gegenstände strahlen uns nun nach langer Restaurationszeit in Lambayeque in den verdunkelten Museumsräumen aus den beleuchteten Vitrinen an. Jeweils ein Lichtstrahl pro Kostbarkeit inmitten der Dunkelheit.
Und wer meint, dass Lehm immer gleich langweilig aussieht, der wird im Norden Perus eines Besseren belehrt. In Chan Chán, nahe Trujillo, steht die weltgrößte Lehmstadt direkt am Pazifik. Die archäologische Ausgrabungsstätte der Chimú-Dynastie besticht durch ihre weichen Formen und Farben. Vieles ist nicht mehr im Original übrig geblieben, aber die Rekonstruktionen lassen neue Abbildungen von Fischen, Fangnetze und andere Tiere entstehen und dem alten sonnengetrockneten Lehm wird neues Leben eingehaucht.
Die staubigen Konstruktionen und verschütteten Pyramiden konnten scheinbar den erobernden und plündernden Spaniern nichts vormachen. Trotz Staub, Schmutz und Unscheinbarkeit erahnten die Spanier den Reichtum der alten Kulturen. Sie gruben auf der Suche nach Gold ein Drittel der "Huaca de Moche" (Huaca de la luna, Pyramide des Mondes) um und zerstörten diesen Teil unwiederbringlich. Was heute in dieser Anlage noch zu bestaunen ist, resultiert aus dem Umgang mit früheren Bauwerken. Denn jeder Herrscher baute faktisch eine neue Pyramide über die alte, die den Anspruch hatte, schöner und größer als die letzte zu sein. Wie die russischen Babuschka-Puppen, die immer wieder ineinander ge- und versteckt werden. Engagierte Archäologen legen zurzeit die 6 Schichten der "Babuschka-Puppen" frei. Große Wandmalereien in Farbe und dreidimensionale Reliefs zeigen die großartige Moche-Kultur, sozusagen "ungeschminkt" und mit dem Anspruch des Originals.
Aber hier inmitten von Staub und Geschichte gibt es nicht nur Lebloses zu treffen, sondern es wohnen heute immer noch Überlebende dieser alten Kultur in der Ausgrabungsstätte. Sie erinnern an die kleinen 80er Jahre Kinostars aus dem Film "Die Gramlins". Nicht schön, aber sympathisch oder zumindest bemitleidenswert. Denn die alte Hunderasse "Viringo" ist haarlos, so dass jede Hautwucherung oder Speckfalte ins Auge springt und Tierschützer ihnen am Liebsten neues Fell züchten würden. Der struppige Irokesenschopf auf dem Kopf lässt diese Tiere noch unwirklicher erscheinen. Ihr sprichwörtliches Temperament hat diese Hunde zum Helfer in der Not werden lassen. Ihre Körpertemperatur von 40 Grad Celsius schätzten bereits Arthritiskranke vor Hunderten von Jahren und legten sich ihren vierbeinigen Freund auf die schmerzenden Gelenke oder die pfeifende Lunge. Statt Wärmflasche gab es einfallsreich einen warmen Hund zum Kuscheln. Und über lästige Haare im Bett musste sich auch keiner Gedanken machen, denn diese Rasse liegt total im Trend und ist ohne ihr Fell antiallergen. Wann diese hässlichen Kreaturen in der modernen Zivilisationsgesellschaft zum gesunden "In-Haustier" werden, ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Oder muss Hollywood erst wieder mit einem Film wie "1001 nackte Hunde" nachhelfen und einen neuen globalen Trend setzen?