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"Merkwürdig oder einfach des Merkens würdig"

Sport verbindet die Welt. Uns rufen in den ersten kleinen Orten im Norden Perus Leute auf der Straße zu, ob wir aus Hamburg kommen. Woher zum Teufel kennen sie Hamburg und wer hat ihnen überhaupt verraten, dass Hamburg eine Stadt in Deutschland ist? Wir lernen also schnell die drei Namen der peruanischen Profifußballspieler auswendig und wissen, dass in Hamburg, Bremen und auf Schalke die rotweiße Flagge hochgehalten wird. Und so verwandelt sich Schalke eben mal zu einer bundesdeutsches Stadt, wir uns zu herzlich willkommenen Gästen und der kleine runde Ball zu einem Globus, um den sich kurzfristig alles zu drehen scheint. Unkompliziert, weltoffen und gänzlich ohne Sprachbarrieren.
Vermummungsgesetzt in Peru? Unser Abstand zu den vermummten Demonstranten bleibt schlauerweise groß. Nicht dass wir uns bedroht fühlen, aber die Eisenstangen und Holzknüppel in den Händen aufgebrachter Arbeiter muten schon komisch an. Die Spalier stehenden Polizisten sehen wie verkleidete Ninja-Turtels aus und scheinen dem demokratischen Recht auf Demonstration skeptisch gegenüber zu stehen. Unser Joschka Fischer würde bei diesem Anblick wieder in seine frühere "unrühmliche" Demonstrationszeit in Deutschland versetzt werden. Und die Peruaner haben viel für das sie demonstrieren und kämpfen müssen. Ist bei uns mittlerweile der Sättigungsgrad an Wohlstand überschritten, das politische Interesse auf den Gefrierpunkt gesunken und die Kampfeslust im Keim erstickt, so rührt sich in Peru nicht nur die Gegenwehr per Worten, sondern auch im klassischen Straßenkampf. Hauptverkehrswege werden mit Felsbrocken und Holzbarrikaden unpassierbar gemacht. Nicht nur für einige Stunden, sondern für mehrere Tage. Generalstreik! Die Privatisierung der Wasserrechte oder der Ausverkauf der Ölressourcen an ausländische Investoren sind nur einige der Inhalte, die nicht den Wohlstand der Peruaner und besonders der Indigenas beschneiden, sondern die Lebensgrundlagen schlichtweg vernichten.
"Wissen ist Macht" wird in Peru nicht besonders propagiert. Und uns beschleicht das Gefühl, dass das Dummhalten ganzer Bevölkerungsschichten das Bildungsprogramm der Mächtigen darstellt. Die Hautfarbe trennt nicht nur Kulturbereiche voneinander, sondern auch Kinder in der Schule, Kollegen am Arbeitsplatz, sogar ganze Wohnviertel oder Städte. Würde man Lima durch kindliche Farben beschreiben, dann sind die Bewohner im Stadtkern weiß, jedoch nicht rein wie Engel und die Bewohner der Randgebiete so braun, wie der Staub, der sich auf alles, selbst auf das Gemüt legt.
Farbenfroh sind in vielen Gebieten Perus im Gegensatz dazu die wirklichen Zeichen des Fortschritts, nämlich die Toilettenhäuschen. In jedem noch so kleinen Städtchen gibt es Internet und die Menschen laufen telefonierend mit ihrem Handy am Ohr durch die Straßen. Aber der wahre Fortschritt ist in unterentwickelten Ländern in profanen Dingen zu suchen. Toiletten und damit wieder ein Stückchen mehr Gesundheit für alle. In der gleichen Optik, blau oder grün. Mit dem gleichen Abluftrohr, einem Fliegengitter und Betonfundament. Lediglich der Blick ist von der Lage des stillen Örtchens abhängig. Und bei den Toiletten hoch über dem Titicacasee mit Blick auf die Berge können wir verstehen, dass es "das kleine, stille Örtchen" genannt wird. Und das ist wieder auf der ganzen Welt gleich, ob Keramikschüssel, Busch oder Plumbsklo, ob mit Wasserspülung oder ohne. Scheiß drauf!

 
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