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"Lauwarm oder nur noch eiskalt- was macht das innere Feuer aus?"

Das größte im Jahr anzusteuernde Glück ist und bleibt der wohl verdiente Sommerurlaub. Die bloße Vorstellung von Sommerurlaub lässt Herzen höher schlagen, den Nachbarn vor Neid erblassen, die Sonnencreme in die Nase steigen und die Körperwaage ebenso. Alles scheint sich auf diesen Zeitpunkt zu konzentrieren. Die vernachlässigten Kinder ebenso, wie der bürogestresste Ehemann oder die unterforderte Ehefrau. Wer es sich leisten kann, sucht sich eben auch Peru oder andere exotische Urlaubsländer aus. Die Gründe sind offensichtlich, oder? Bei der Planung wird jede so genannte Bildung über andere Länder in den trüben deutschen Wind geschlagen. Krankheiten, Impfungen existieren ebenso wenig, wie Klimazonen oder Höhenlagen.
Das Feuer der Vorfreude erlischt in Perus Hochland mit jedem Höhenmeter. Nach 3 Tagen rund um die Uhr heile Eintracht und Zusammenleben ist der Ganzjahresgesprächsstoff versiegt. Peru ist eben kein Strandurlaub, wo man sich wochenlang in sein eigenes Buch verschanzen kann, sondern fordert kulturelles Dauerprogramm.
Die Fahrt über den Titicacasee ähnelt nach wenigen Minuten einem Schlaflager komatöser Touristen oder einem Treffen aller trüben Tassen der Welt. Den Wachen möchte wir am Liebsten mal die Taschenlampe in die scheinbar offenen Pupillen halten und nachsehen, ob noch Blut geschweige denn Leben durch die Adern fließt. Statt über die Landschaft, die Natur oder "Gott-weiß-was zu reden" werden kindische Rituale geschürt. Mit wichtigtuerischen Gesten werden Desinfektionstücher in der großen Runde verteilt und alles erdenklich Dreckige beseitigt. Nur für kranke Einstellungen oder Gedanken scheint noch kein äußerlich anwendbares Desinfektionsmittel erfunden worden zu sein. Und weil man den Tüchern kein volles Vertrauen schenkt wird die kleine Desinfektionsrunde durch ein neuartiges Gel verfeinert. Das Urlaubsprogamm wie auch die Desinfektionsmenge im Megapack.
Höhenkranke Ausländer kollabieren in der Höhe, sehen ähnlich grün wie die Entengrütze auf dem Titicacasee aus und scheinen ihren wohlverdienten Urlaub mehr zu verschlafen als geistig anwesen zu sein. Die 14-tägige Perurundreise mit 5.000 zurückgelegten Kilometern scheint einen hohen Preis an die körperliche Verfassung und den Familiensegen zu fordern.
Sommerurlaub besteht aus den herrlichen Begriffen Sommer und Urlaub. Und so begegnen uns blaubeinige Ausländerinnen in sexy Shorts, schlotternden Beiden und dunkelblau angelaufenen Krähenfüßen, weil die Sonne auf 4000 m Höhe doch nicht die erforderliche Wärme spendet, wie erhofft. Es kann doch nicht sein, dass die Urlauberin käseweiß nach Hause zurückkehrt. Die aktuelle Sommermode in Cusco besteht also tapfer aus Flip-Flops, kurzer Hose kombiniert mit Woll-bzw. bunter Alpakamütze.
Der euphorische Touristen-Standartspruch in Peru oder anderen "travel destinations" zu bestimmten Sehenswürdigkeiten und Erlebnissen lautet "cool". Man zweifelt irgendwann an der erlernten Muttersprache, die keine tief greifende Bandbreite an Emotionen auszudrücken scheint. "Interessant, aufregend, neu, spannend oder einfach schön" würde einen wahren Sturm an Emotionen bedeuten, aber bleibt leider aus. Wir erwarten ja noch nicht einmal ganze Sätze...
Und das ist tatsächlich das beneidenswerte Reisen oder nur das, was man anderen und sich selbst danach vorgaukelt?

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