"Dabei überraschen uns gerade diese Eseltreiber",
die mit so viel Freude 5 Monate im Jahr 2000 Touristen jährlich durch ihre Heimat begleiten und eine interessante Abwechslung zur Arbeit in der Landwirtschaft haben. Sie gehen in ihren Autoreifensandalen über die gleichen hohen Pässe wie wir, treiben die Esel mit Kommandos in die richtige Richtung und scheinen einfach perfekt an diese Höhe gewöhnt zu sein. Einige Touristen verschenken oder verkaufen günstig ihre Urlaubssportausrüstung nach getaner Tour. Große Rücksäcke wechseln genauso ihren Besitzer wie Fleecejacken oder Schuhe. Und Sportmarken wie Mammut, Meindl oder Deuter wechseln ihren Wohnsitz von den Alpen in die Anden.
Unsere fröhliche Köchin hat 5 Jahre auf diesen Trekking- und Bergsteigertouren gekocht und kennt ihr Geschäft genau. Nichts kommt in ihren Kochtöpfen um, alles wird lecker verkocht und dazu noch frisch auf kleinstem Raum. Kiloweise wird frisches Gemüse geschält und die trockenen Brötchen werden auch am vierten Tag noch lecker zum neuen Leben erweckt. Ein extra Müllbeutel steht an ihrer Seite, wo die organischen Abfälle für die Esel gesammelt werden. Die Frage, ob die scharfen Chilischoten den Esel den nötigen inneren Druck für den nächsten Tag geben, belächelt sie. Sie macht alles mit so viel Ruhe und unscheinbarer Stillen, dass wir immer erst merken, dass sie uns auf dem Wanderweg schon wieder überholt hat, wenn das Küchenzelt am nächsten Platz aufgebaut und der erste Tee gekocht ist.
Leider erleben wir nicht nur Schönes auf dieser Wanderung. Uns kommen schmutzige und ausgehungerte Eseltreiber entgegen, deren Esel und damit ihre Existenzgrundlage weg gelaufen sind. Die wenigen Müsliriegel aus unseren Rucksäcken können über den Verlust nur schwer hinweg trösten, aber stopfen erst einmal den Magen für das tagelange Weitersuchen. Die "Sanitäranlagen" in den ausgewiesenen Camps bestehen aus zwei überfüllten und zugeschissenen Löchern im Boden. Die Holztüren sind schon vor langer Zeit von irgendjemand verfeuert worden. Die Wellblechplatten fehlen gänzlich und schützen wohl jetzt eine andere Hütte. Aber dafür sollten doch zumindest die "Naturliebenden" wissen, wie man seine verdauten Überreste in der weiten Natur verscharrt. In der Höhe scheint dieser Teil des Gehirns nicht mehr zu funktionieren oder der Andenwind ist am zivilisierten Hinterteil zu kalt und so pflastert weißes Klopapier die Schönheit der Berge. Echte Scheiße! In Eselscheiße treten wir oder rutschen wir nach dem ersten Tag wie selbstverständlich aus, aber in Menschenscheiße?
Und dann führt uns der Trampelweg durch Hüttensiedlungen, wo kein Auto seinen Weg hinfindet. Alte Indigenas rufen uns Gringo und Gringa hinterher und winken uns freundlich zu. Gringo ist in Peru (im Vergleich zu Mexiko, wo Amis so gehässig genannt werden) kein Schimpfwort. Jeder Ausländer wird hier so lautstark tituliert und fängt sich meistens mit diesen Worten ein freundliches Zuwinken oder Lächeln ein. Nur wer ständig böse oder genervt auf diesen Titel reagiert, dem wird wohl schließlich auch Unfreundlichkeit entgegengebracht.
Kleine Kinder rennen auf uns zu und fragen nach...Caramelos. Wir sind glücklich, dass sie nicht nach Geld fragen, wie es in vielen touristischen Orten der traurige Fall ist. Was sollten sie auch hier mit Geld anfangen, wo es keinen Tante Emma-Laden gibt. Bonbons sind hier die einzige Währung, die bei diesen Kindern zählt. Und die ist auf der ganzen Welt von Kindern wohl die Gleiche!