"Am Samstagmorgen um 6 Uhr holen wir Baltazar mit dem Pickup ab"
um seine Eisblöcke auf dem Markt zu verkaufen. In seinem Dorf und in allen Dörfern rundum das Handelszentrum Riobamba, scheinen schon seit Stunden alle auf den Beinen zu sein, Gemüsesäcke zu packen und sich auf den Mark vorzubereiten. Wir fahren zu den wenigen Kunden, zu den Eis-, Fruchtsaft- und Fischverkäufern der Stadt. Eine coole Cocktailbar wie es in den Reiseführern steht, ist nicht dabei. Der kleine Baltazar schultert 60 Kilo Eis auf seinen kleinen, schmächtigen Körper und verkauft stolz sein Eis, was dreimal langsamer schmilzt als industriell gefertigtes. Er sieht wie ausgewechselt aus, ist stolz, strahlt und schüttelt Hände. Viele sind stolz auf ihren letzten Hielero und kennen wohl doch nicht die familiäre Armut, die hinter dieser Art des Geldverdienens steckt. Vielleicht strahlt er auch, weil er einige freie Stunden auf dem Markt verbringen kann. Er schlendert mit seinem verdienten Geld in der Tasche über den Markt, schaut einem potenziellen neuen Esel ins Maul (warum er das auch mit dem angehobenen Schwanz und dem Schließmuskel macht, bleibt uns ein Rätsel), trifft bekannte Gesichter und hat schon den Geschmack des billigen Schnapses auf seinen Lippen, den er sich vielleicht danach noch gönnen wird. Um sich zu belohnen, um zu vergessen, um vielleicht einfach die schmerzenden Knochen nicht mehr zu spüren oder einfach der Armut laut ins Gesicht zu lachen.
Bericht in der FAZ Teil1
Bericht in der FAZ Teil 2