"Busdachsurfende Schweine und keine roten Ponchos"
Langsam verschwindet die raue, miefige Panamerica und die Landschaft erscheint uns erholsam ruhig und sanft. Immer höher schrauben wir uns in diesen Teil der Anden in Richtung des Kratersees Quilotoa und des Dörfchens Zumbahua. Langsam schleichen wir den schmalen und abschüssigen Pfad zu unserem Milchbauernhof entlang und treffen am Ende auf die verwunderten, aber herzlichen Besitzer Margarita und Marco. Wieso wir uns Gedanken über die Breite unseres Campers auf diesem Weg machen würden, ihr Milchlaster fährt blind hinunter. "Ja, der Lastwagenfahrer ist ja auch Ecuadorianer und der Laster hatte vor Jahrzehnten seine besten Zeiten". Beide lachen daraufhin wissend und heißen uns willkommen. Unsere Wohngemeinschaft auf dem Hof besteht aus großen und lieben Hofhunden, ohrengepiercten Lamas, kleine suhlende Schweine, viele Milch liefernde Holsteiner Kühe, sich giftig aufplusternde Gänse, scharrende Hühner, dreckig verspielte Kinder der Mitarbeiterfamilie und alle Geräusche vereint lassen uns an unsere Kindheit auf dem Bauernhof zurück denken. Schlagartig verstummen alle Geräusche beim Sonnenuntergang, um dann mit neuer Energie um 5 Uhr mit dem Anschmeißen der ersten Melkmaschine und des Wasserg-Generators in den Tag zu starten. Milchkannen klappern und die ausgeschlafenen Hunde jagen den aufgeplusterten Gänsen hinterher. Wer der Gewinner dieser kleinen Auseinandersetzung ist, weiß jeder, der seine Kindheit auf dem Bauernhof verbracht hat. Abends werden wir von unseren Gastgebern mit organischen Leckereien, wie Schaffleisch, Käse, Yoghurt der "Marke Eigenanbau" bekocht. Warum natürlich angebaut? Weil früher nie genügend Geld für Pestizide und Herbizide da war und weil es einfach besser ist. Mehr muss keiner erklären. Ist doch banal und einleuchtend. Wieso in der hoch gelobten Zivilisationswelt eigentlich nicht?
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