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"Gute Pferde springen knapp, aber nicht über 5897m"

Manche nennen es Schicksal, andere einfach Zufall. Wir hatten wohl beides: wir waren in Ecuador, in dem Land der Bergsteiger und Wanderer. Wir fühlten uns fit und akklimatisiert, um auf 5897m zu steigen. Wir hatten einen der besten Bergsteiger Ecuadors kennen gelernt und er hatte Zeit und Lust mit uns den Cotopaxi zu besteigen. Und dann haben wir zufällig in einem kleinen Dorf unseren Schweizer Reisenden Ramun (gemeinsame Zeit in Guayaquil wegen Wagenverschiffungen) wieder getroffen, der mit uns spontan auf den Berg steigen wollte. Nach einigen Telefonaten ging alles ganz schnell. Vier Tage verblieben bis zum geplanten Aufstieg auf den Cotopaxi. Unser Bergführer schlug uns eine ganz besondere Route vor, nämlich die Südseite (Southface, Cara Sur) und nicht wie normalerweise über die Nordseite. Die Tour begann fantastisch. Wir fuhren mit dem Wagen bis zu einem Bergsteiger-Hostal auf 4000m Höhe und beluden die Packpferde mit unserer Ausrüstung. Die Freude stieg, als sich dieser schöne Berg kurz vor unserem Aufbruch unverhüllt im Sonnenschein zeigte. Lange genug, um die geplante Route durch Schnee und Eis zu erkennen und den Respekt vor dem Berg wachsen zu lassen. Die möglichen Risiken, aber auch die zu erwartende Freude war uns bewusst. An diesem Tag wanderten wir als Karawane mit Packpferden nur bis 4800m Höhe, um dort im Zeltcamp bis zum mitternächtlichen Aufstieg zu schlafen. Nach einem deftigen Abendessen und der genügenden Aufregung legten wir uns in die Schlafsäcke. Von Schlafen war allerdings keine Rede, obwohl jeder so tat, als wenn er es versuchen würde. Dicke Regentropfen drangen durch die Zeltplane und schlugen auf die Holzpritschen wie kleine Bomben ein. Kleine Wasserbäche suchten sich ihre Wege in unsere Schlafsäcke und ließen die Nacht noch kälter erscheinen. Um 23 Uhr war unsere kurze Nacht zu ende und keiner hatte das Gefühl geschlafen zu haben, obwohl ab und zu ein leises Schnarchen zu hören war. Der Regen hatte leider nur kurzfristig nachgelassen und so wurde nach dem guten Zwiebelprinzip immer noch eine Klamottenschicht übergestülpt. Unsere Finger waren schon beim Anziehen steif, die Reißverschlüsse kalt und störrisch, die Gamaschendruckknöpfe nicht zu schließen, der Klettergurt an den sensiblen Hosenstellen der Männer unbequem und über allem schwebten die kleinen Lichtstrahlen unserer Stirntaschenlampen. Aus dem Küchenzelt drangen vertraute Geräusche von klappernden Kochtöpfen, aber keiner verspürte richtigen Appetit auf sein Frühstück. Nur der heiße Kokatee schien die Lebensgeister langsam zu wecken und uns auf die Höhe vorzubereiten. Um Mitternacht begann unser Aufstieg auf der Südroute mit zwei Bergführern, unserem Schweizer Freund Ramun und uns. Bereits nach einer Stunde durch die Dunkelheit waren wir am unteren Rand des Schneefelds angekommen, legten unsere Steigeisen an und wurden zu den beiden Bergführern angeseilt. Wie ein Säugling mit der Nabelschnur zur Mutter verbunden ist, so sicher fühlten wir uns bei unseren Bergführern. Noch, denn dass sollte sich nach 7 Stunden am Berg schlagartig ändern. Wir stiegen also auf. Fünf Lichtpunkte, die sich langsam durch den Schneefall nach oben bewegten. Zwar befanden wir uns in der Gruppe, aber jeder mussten für sich allein mit der körperlichen Belastung kämpfen. Dieses neue Gefühl der Atmung, die in vielen Momenten zu wenig zu sein schien. Viele Male mussten wir anhalten, um zu atmen und in uns zu horchen, ob die Höhe unseren Körpern noch gut tat. Aber wir fanden keine Ausrede um aufzuhören, denn unsere Körper funktionierten ohne Kopfschmerz und Schwindel in dieser dünnen Luft. Unsere Lungen stießen keuchend die sauerstoffarme Luft aus und rangen nach neuer Luft, die leider ebenso gehaltlos war. Nach 6 Stunden erwachte die Dämmerung des neuen Tages und wir sahen die Umrisse unseres Ziels, den Gipfel des Cotopaxi. Um 7 Uhr morgens standen wir am Kraterrand auf dem Gipfel und waren von Nebel eingeschlossen. So schön wie der Cotopaxi sich am Vortag in der Sonne gezeigt hatte, so vernebelt zeigte er sich in einer Art Suppenküche auf dem Gipfel. Der Genuss des Erreichens dauerte kurz, denn die aufgehende Äquatorsonne schien selbst durch den Nebel gnadenlos auf den Schnee. Ingos vereinter Kraftakt mit den Bergführern Ski und Skistiefel über Stunden auf den Gipfel zu tragen, fand sein Ende auf 5897m. Ingo gleitete über den Schnee und erfüllte sich damit seinen fast unglaublichen Traum: Skifahren vom Gipfel des Cotopaxi!

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