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"Zum Merken würdig oder einfach merkwürdig?"

Es quietscht und strampelt in den Säcken auf dem Markt. Die Frauen greifen mit einem schnellen Griff hinter die Meerschweinchenohren und begutachten die flauschigen Tiere sorgfälltig. In Ecuador zählt Meerschweinchen zu den besonderen Delikatessen und das bereits in der Inkakultur, und da kommt nur das Beste auf den Tisch. Meerschweinchen, hier heißen sie "cuy", ist nicht nur eine Speise, sondern zeigt immer noch bei offiziellen Festen die Wertschätzung der Gäste. Die Ehrengäste bekommen ein ganzes Meerschwein vorgesetzt, die weniger honorigen Gäste lediglich ein Beinchen. Wir unterliegen dem Gesetz des "sanften Gruppenzwangs" und gehen mit mehreren auf dieses kulinarische Experiment ein. Wenn in Peru 22 Millionen Meerschweinchen pro Jahr verspeist werden, dann sollten sich unsere westlichen Geschmacksknospen wohl auch daran erfreuen. Der Geschmack, die Art der Zubereitung und das Aussehen des Essens sind zunächst gewöhnungsbedürftig. Wie beim ersten herben Bier oder dem ersten bitteren Kaffee im Teenageralter ist es auch mit unserem ersten cuy. Die Meerschweinchen werden enthaart (glücklicherweise schon tot) auf Pflöcke gespießt und eine Viertelstunde über Kohle gegrillt. "Wer so einen dicken Pflock im Hintern stecken hat, muss auch gequält grinsen", wird uns lachend erklärt. Denn das Meerschwein streckt uns die vorderen Schneidezähne und die kleinen Krallen entgegen und glotzt uns irgendwie komisch an. Die Grillfrau meint es gut mit uns und bricht schon mal vorab die Krallen für uns zum Probieren ab. Andere Länder, andere Sitten und wir knabbern unmotiviert darauf herum. Als die drei Schweinchen für 6 Personen zum Vernaschen bereit auf den Platten serviert werden, greift sich die Ecuadorianerin freudestrahlend den ersten der drei Köpfe. Keiner von uns Europäern ist erpicht auf den Anblick des Kopfes auf seinem Teller und gibt gerne ab. Sie knabbert restlos alle Teile vom Kopf und lässt dabei auch nicht die kleinen verschrumpelten Ohren ungegessen. Wir sind erstaunt vom Geschmack des Fleisches und können ihn mit nichts vergleichen. Das wenige Fleisch schmeckt gut, aber die Menge erinnert uns eher an magere Zeiten oder ans Hummeressen ohne Hummerschwanz, wo das Knappern und Knacken das eigentliche Ritual darstellt, aber bestimmt nicht die heraus geprokelte Fleischmenge. Meerschweinchen sehen mit Fell eher fett aus. Ohne sind sie kleine dürre Wesen, wo wir das dunkelbraune Fleisch zwischen den spitzen Rippen, die die Größe von Zahnstocher haben, erahnen müssen. Das Filet eines Meerschweinchen ist so dünn, dass wir spielend dadurch Zeitung lesen könnten und das höflicherweise hingelegte Besteck kann man sich schlichtweg ersparen, denn so filigran kann niemand mit dem Messer filetieren oder spricht man beim Meerschwein von sezieren? Und so zupfen wir mit spitzen Fingern an unserem Essen herum. Die knusprige Haut ist eher zäh und lässt uns auch nach vielen Verdauungsschnäpsen schlecht schlafen. Fazit: nicht schlecht, aber ein saftiges Steak, eine knusprige Ente oder ein leckerer Braten wären uns lieber gewesen und ein einziger kulinarischer Versuch reicht fürs Erste. Wir geben es wieder mal ungern zu, aber der Kopf isst einfach mit. Gut, dass wir vorher unsere Exemplare nicht mit Fell oder ungegrillter blasser Haut gesehen haben.

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