"Der kleine Baltazar im Schatten des mächtigen Chimborazo"
Für die anreisenden Ausländer sind die Galapagos Inseln der touristische Mittelpunkt Ecuadors. Für die ecuadorianischen Indigenas ist das wichtigste Symbol der Chimborazo. Er ist kein Berg, der inmitten einer weißgepuderten Bergkulisse herausragt. Der 6310 m hohe Chimborazo steht massiv alleine zwischen den grün-braunen Andenfalten und scheint über der Region zu thronen. Die Region, die nach ihrem Berg Chimborazo benannt ist und in der die meisten Indigenas Ecuadors leben. Einige von ihnen sind besondere Kinder des Chimborazo. Die Indigenas, die als Albinos das Licht der Anden erblicken sind nach einer alten Sage vom weißen Chimborazo gezeugt. Die unbefleckte Empfängnis, die einigen Frauen dank des Chimborazo sicherlich schwer aus der Patsche geholfen hat.
Unsere erste Annäherung an den Riesen geschieht mit einem Geländewagen, der sich bis 4800 m über den holprigen Weg schlängelt. Zunächst beginnt die Fahrt durch kleine Dörfer mit kultivierten Ackerflächen. Mit Beginn der dünnen Luft verschwindet die scheinbare Vegetation. Wunderschöne Vikuñas grasen einsam an den Berghängen und die tief liegenden Wolken verschwinden immer weiter unter uns. Die erste Schutzhütte steht auf 4800 m Höhe und hat zu unserer großen Verwunderung einen Parkplatz. Als wäre es das Selbstverständlichste mit dem Auto auf knapp 5000 m zu fahren. Die zweite steht auf dem Whymper-Gipfel nur 200 m höher und erzählt viele Geschichten von ihren Bezwingern oder die, die es einmal werden wollten. Verstreute Gedenksteine erinnern traurig an die verunglückten Bergsteiger. Die vielen bunten Aufkleber in der Schutzhütte erzählen auf der anderen Seite die schönen Geschichten des Bergsteigens der ausländischen Alpenvereine und Reisegruppen. Wir sitzen in der Berghütte, halten uns an einer heißen Schokolade fest und sehen den Berg im kitschigen Rot versinken. Wie selbstverständlich verschwinden alle Wolken, die den Berg zuvor einhüllten und die dicken Gletscher glänzen in der untergehenden Sonne. Der Chimborazo sieht wie ein echter Kerl aus: zackig, zerklüftet und mächtig. Nicht wie sein Nachbar der Cotopaxi, der wie ein schneebedeckter Kegelvulkan aus einem Kindermalbuch wirkt.
Der Anblick des Chimborazo begleitet uns weitere Kilometer in Richtung Norden. Am Fuß des Berges auf 3.600 m Höhe campieren wir beim Bergführer Rodrigo, lassen die hektische Panamerika hinter uns und genießen die Stille. Wir schlafen mit dem Blick aus unserem Alkoven auf den Chimborazo ein und werfen beim ersten Augenaufschlag wieder den Blick auf ihn.
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