"Der perfekte Ort zum Träumen- mit brüllenden Pinguinen und realen Comicfiguren"
Auf der Querung von der chilenischen Carretera Austral in Richtung Osten zur argentinischen Atlantikküste waren unsere Erwartungen hinsichtlich der landschaftlichen Reize ähnlich konträrer wie ein Sortiment an Erfrischungsgetränken. Konnten wir unsere Zeit in Chile mit einem frisch gepressten vitamingeladenen, leckeren Obstsaft vergleichen, so schwebte uns an der erwarteten langweiligen Küste eher eine süßstoffverseuchte Coca Cola-Light oder noch schlimmer Coca Cola Zero im Kopf herum. Viele Berichte sind über die "Hotspots" Patagoniens zu lesen, wobei damit selten das argentinische Patagonien gemeint ist (die UNESCO geschützten Wale in Valdez sind eine große Ausnahme). Wir folgen also nach dem hässlichen Ort Caleta Oliviera die Ruta 3 in Richtung Süden und sind überrascht von der wunderschönen Pampa. Pampa ist bei uns im Deutschen ein geflügeltes Wort für "nichts" geworden. Aber wer behauptet, dass das Nichts in Patagonien nichts hat, der liegt voll daneben. Die Vegetation ist karg, aber mit dem Kontrast der Wolken lassen sich immer neue Schönheiten am Horizont entdecken. Woher die alte verstaubte Leonardo-Marke ihr Vorbild für ihre Wolken hat, ist uns jetzt auch klar. Wie von Kinderhand gemalt: unter eine gerade Linien, wobei sich nach oben alles aufzuquellen scheint. Eben eine perfekte Wolke. Diese ziehen in allen erdenklichen Grauschattierungen an uns vorbei und vertreiben alle überflüssigen Gedanken aus unseren Köpfen. Es gibt wenige Orte in der argentinischen Pampa, wo wenige Menschen die Reisenden zum Bleiben animieren. Einsame Tankstellen sind wie überall auf der Welt auch hier die einzigen Dreh- und Angelpunkte. Dass es hier in der Weite noch mehr als nur verlassene Natur geben muss, zeigen uns die kilometerlangen und nie endenden Stacheldrahtzäune entlang der Straße. Hinter vielen sehen wir nichts, was es sich einzuzäunen lohnt. Hinter anderen grasen einige dickpelzige Schafe. Die großen landwirtschaftlichen Höfe, die "Estancias", teilen das Land auf und lediglich einfache Schilder markieren die wenig pompösen Einfahrten. Einige motivieren ihre Besucher mit der Angabe der Entfernung auf der Schotterpiste bis zum Haupthaus: 60km!
Nicht nur die Landschaft ist in ihrer Einfachheit schön, sondern es zeigen sich endlich wieder Tiere. Wir hatten zwar überall auf unserer Reise viele Tiere, aber wir meinen die Art von Tiere, die einen entzücken lassen (was für ein schönes Wort). Tiere, bei denen das evolutionsträchtige Kindchen-Schema voll zur Geltung kommt und Frauen hohe Töne hervor grunzen. Grazile Guanokos beispielsweise, deren flauschiges Fell sich im Wind bewegt und deren große dunklen Kulleraugen einen hochnäsig anschauen. Oder die zweitgrößten Laufvögel der Welt, die Nandus, die wie die Comicfigur "Roadrunner" mit seinen Kumpels Speedy Gonzales und Kojote Karl durch die Prärie flitzen. Mit nach vorn gestrecktem Kopf, zerzaustem Gefieder und mit riesigen Schritten. Viel zu viele überfahrene Gürteltiere oder Guanakos sind die einzigen, die diese romantische Pampa traurigerweise trüben.
Und es ist, als ob uns die Natur ein richtig schlechtes Gewissen zu unserem negativen Vorurteil gegenüber der Pampa machen will, sie zeigt uns die Schönheit der "Bahia San Julian" im strahlenden Sonnenschein. Die auf den ersten Blick unscheinbare Bucht mit ihren unendlichen Farben an der Steilküste ist für kurze Zeit im Jahr Brutstätte von mehreren Zehntausenden Magellanpinguinen. Kormorane beheimatet sie sowieso und die in den Bugwellen der Zodiaks surfende Commerson Delfinen (weiß-schwarz) setzt zur Krönung immer noch einen drauf.
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