10 8   9
2
>
> Home > Wohin > Argentinien > Goulasch
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

"Der ewige Dorn im Auge der Katholischen Kirche"

Über die nackte Brust seiner Mutter schmollt uns ein dicklippiger Junge an. Seine Mutter liegt auf dem Rücken, die Augen geschlossen und stillt ihren Sohn...auch nach dem Tod und lässt ihn damit überleben. Mit den selbst auserchorenden Künstlern ist es bei der Darstellung ihrer Schutzheiligen, der Difunta Correa, wohl etwas mit der Phantasie durchgegangen. Leidend muss das Geschehen dargestellt werden, aber lüstern? Geschichten gibt es viele über die Difunta Correa. Eine lautet, dass sie Mitte des 19. Jahrhunderts mit ihrem Kind auf der Suche nach ihrem Mann, der zwangsrekrutiert im Unabhängigkeitskrieg kämpfen musste, in der Wüste verdurstet ist. Eine andere besagt, dass sie vergewaltig und tot mit dem lebenden Säugling in der Wüste zurück gelassen wurde. Für eine Schutzheilige, die nicht offiziell von der katholischen Kirche anerkannt ist und als "Volksglaube" abschätzend definiert ist, macht sich die fürsorgliche Ehefrau allerdings besser, als eine von Männern geschändete Frau.
Eine Million Menschen pilgern jährlich in diese gottverlassen Wüste, in den trostlosen Ort Vallecito zwischen San Luis und San Jose. Lkws stauen sich in den kleinen Ort, besonders am Osterwochenende, wenn 50.000 Pilger anreisen. Für die Lkw-Fahrer ist die Difunta Correa ihre Schutzheilige mit besonderer Wunderkraft, wie auch immer diese aussehen mag. Der Ort des Gedenkens steht inmitten einer morbiden Landschaft. Das unvorstellbare Ausmaß der Verehrung zeigt sich erst in dem angelegten "Park". Hier beherbergen 17 Kapellen die Geschenke der Gläubigen. Eine Kapelle gibt es nur für die gebastelten Häuser, eine ist voll gestopft mit Brautkleidern, eine andere mit allen erdenklichen Pokalen von Fußball bis Karate, noch eine andere ist mit Kinderspielzeug belegt und natürlich darf des Menschens Lieblingsgegenstand auch nicht fehlen, genau die Miniaturautos. Millionen von Gedenktafeln sind fein säuberlich an die Außenwände der Kapellen einbetoniert. Kleine Briefe und Zettel stecken in den Ritzen und erzählen von aussichtslosen Krankheiten und traurigen Schicksalen, die mit Hilfe der Difunta Correa besiegt worden sind. Kleine Mädchen, gekleidet wie Prinzessinnen strahlen mit ihrer Krone auf dem Kopf in die Kamera und danken für ihren Erfolg bei der Misswahl ihres Dorfes.

> mehr

 
4 3
1 6
11   7 5 12