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"Die sanften unbeachteten Riesen- die patagonischen Orkas"

Die beiden holländischen Reisenden mit ihrem Landrover schauen fasziniert, aber auch mit ein wenig Wehmut auf unsere Fotos der Orkas. Unser Erlebnis liegt bereits einige Wochen zurück und die Erzählungen anderer über ein holländisches Paar, die ihren Orkatraum eine Woche lang fast unerfüllt hinterher gefahren sind, hallte uns noch in den Ohren. Wie der Zufall es auf dieser Reise mehr als einmal will, haben sich unsere Wege gekreuzt und wir können ihnen von den Orkas erzählen, die wir nicht verbissen gesucht, aber trotzdem entdeckt haben...
Der Parkeingang zur UNESCO-geschützten "Península Valdés" ist videoüberwacht und mit ihrer angrenzenden Polizeistation nicht Vertrauen erweckend. Das Besucherzentrum erinnert uns durch eine unpassende Architektur und emotionslos gestaltete Ausstellung eher an einen gottverlassenen Flughafen, wo ein Beton-„Tower“ über die vegetationsarme Landschaft wacht und die neuen Ausbaupläne der Parkplätze auf Schautafeln beschrieben werden. Unsere Erwartungen an die Insel sinken auf einen frostigen Tiefpunkt, um dann glücklicherweise im kleinen Ort Puerto Pirámides durch die strahlende Sonne und einer gemütlichen Atmosphäre aufgetaut zu werden. Der einzige Campingplatz auf der Insel erinnert an einen der vielen Alt-Hippieorte auf der Welt. Uralte Wohnwagen stehen in spärliche Gebüsche gedrängt, wobei Bretterverschläge und Plastikunterstände die Wohnfläche vergrößern und ein leicht muffiger Geruch über dem Gelände schwebt. Und das alles an einem Ort, der durch seine tierischen Touristenattraktionen die ursprüngliche Unschuld und damit Unbekanntheit verloren hat. Dabei spielen die zu sehenden Orkas im März im touristischen Kalender eine eher unbedeutende Rolle. Die Hauptattraktion sind die Wale im Frühling (Südhalbkugel) in der Bucht von Pt. Pirámides, denen der Besucher mit Booten zum Greifen nahe kommen kann. Wir übernachten also in dieser verschlafenden Randsaison zwischen den dauerinstallierten Campingbehausungen, werden von unzähligen schnurrenden Katzen umlagert und von der patrouillierenden Polizei unsanft aufgefordert, in der Dunkelheit alle Gegenstände wegzuräumen. Scheinbar streichen hier nicht nur die herrenlosen Katzen in der Nacht auf der Suche nach Brauchbarem umher.
Am Morgen strahlt uns ein wolken- und windloser Himmel entgegen. Noch bevor der kleine Ort erwacht, fahren wir auf der breiten Schotterpiste zum nördlichen Teil der Insel, dem "Punta Norte". Zwischen den Sanddünen hören wir von weitem einen undefinierbaren Klagelaut, der einer Schaf-Ziege-Mischung ähnelt. Die verschiedenen Seelöwenkolonien liegen separiert am Strand und ähneln damit den streng abgegrenzten Strandabschnitten vor einem Neckermann-Sommerhotel am Mittelmeer. Die Jungen springen und tollen in den von der Ebbe freigelegten Kanälen. Perfekte Schwimmbecken, um spielerisch das überlebenswichtige Jagen und Schwimmen zu lernen. Um nach dem Toben die vermiste Mutter zu finden, wird herzzerreißend gebrüllt oder mutig auf andere Seelöwenmuttis zugesteuert, die allerdings durch unmissverständliches Beißen zeigen, dass sie nicht die Gesuchte sind. Die kleinen speckfaltigen Wesen stolpern tapsig über den Strand, über andere Artgenossen, bis die schützende Nähe der Mutter gefunden wird. Beim Einsetzen der Flut liegen die meisten erschöpft am Strand, wühlen sich in ihre Sandmulden, strecken ihre dicken Bäuche in die wärmende Sonne und es kehrt Ruhe ein. Eben alles wie beim Neckermann-Urlaub.
Scherzhaft grinsen wir uns an diesem perfekten Tag mit den Worten "jetzt könnten sie eigentlich kommen" an.

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