20   22 21
30
>
> Home > Wohin > Argentinien > Filet > mehr
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

"Haben wir schon von Krönung gesprochen?"

Denkste, denn der unbekannte "Nationalpark Monte Leon" an der "Bahia Grande" im atlantischen Ozean kann nach so vielen Superlativen für uns alles noch übertreffen. Der Parkeingang sieht an der Ruta 3 unspektakulär aus. Vielleicht sogar gewollt uneinladend? Eine Schotterpiste lässt die meisten Touristen, wie auch die Argentinier ohne Beachtung vorbei fahren. Schon nach wenigen Kilometern im Park wird einem klar, wie der Park zu seinem Namen kam. Eine Gesteinsformation lässt einen thronenden Löwe erkennen und zu recht stolz auf den Atlantik blicken. Wir parken am Spätnachmittag unseren Camper und gehen drei Kilometer in Richtung Atlantik. Es ist ungewöhnlich windstill, die Guanakos grasen an unserem Fahrzeug und die Vegetation sieht großartig mit ihren windzerzausten Büschen und Gräsern aus, und gibt uns schon mal eine kleine Vorwarnung auf die Gewalt des patagonischen Windes. Die letzten Meter bis zum Wegende sind eingezäunt, damit die daneben nistenden Pinguine nicht gestört werden. Allerdings haben wir in dieser fast unberührten Natur sowieso nicht das Gefühl, dass die irgendwas aus der Ruhe bringen könnte. Sie kreuzen unseren Weg und schauen uns neugierig auf dem Weg zu ihren Nestern im Sand unter den Büschen an. Die neu geschlüpften Jungtiere sind jetzt im Februar bereits im Teenageralter. Ihre grauen Federn fallen struppig aus, fliegen im Wind umher und die Mauser lässt sie irgendwie zerrupft aussehen. Wie menschliche Teenager mit störenden Pickeln, fettigen Haaren und viel zu großen Nasen, die auch irgendwie merkwürdig aussehen. Aber auch bei diesen Tieren wirkt das "Kindchen-Schema" und wir fangen senil mit den Tieren zu sprechen an, quietschen entzückt und fühlen uns beim Anblick einfach glücklich. Ein besonders neugieriges Exemplar watschelt auf uns zu, kippt den Kopf von links nach rechts (die Augen sind seitlich am Kopf) und steht auf seinen Drei-Zehn-Schwimmflossen selbstbewusst vor uns. So hocken wir neben unserem Pinguin und sehen seine waagerecht blinzelnden Augen, aber auch seine Art "Scheibenwischer", der horizontal über sein Auge fährt. Vor emotionaler Rührung steigen uns Tränen in die Augen. Oder ist es doch der beißende Gestank, der über der Pinguinkolonie schwebt?
Der Fischfangtag war lang und die Tausende von Magellanpinguine plumpsen unbeholfen auf den flachen Strand, tapsen mehrere Schritte in Richtung ihrer Junge, bleiben verschnaufend stehen, strecken ihre verkümmerten Flügel zur Seite und stolpern weiter. Würden wir es nicht besser wissen, dann fühlten wir uns inmitten einer Eselsherde. Denn die "IA" der Pinguine führt die Eltern mit den Bäuchen voller Fisch zu ihren Jungen zurück. Der Kopf wird in den Nacken gelegt. Die Flügel nach hinten gespreizt. Und dann brüllen sie in den patagonischen Himmel was das Zeug hält. Die ausgepresste Luft wandert als Welle vom Bauch bis zum Kopf und die Lautstärke erschüttert sogar unser tiefstes Mark. Alleine stehen wir inmitten dieser Tiere und müssen uns diesen Moment mit niemand teilen. Das noch nicht vom Tourismus entdeckte Paradies, was keinen Eintritt kostet und sowieso unbezahlbar ist, lässt viele einzigartige Momente zu. Und als wären wir in einem Zoo, wo eine künstlich aufgebaute und organisierte Attraktion die nächste zu übertreffen versucht, gehen toll angelegte Pfade zu einer Seelöwenkolonie und zu einem Kormoranfelsen.
Die Meinungen über die Motive des Parkbegründers Douglas Tompkins (Firmengründer "North Face" und "Esprit") gehen zwar soweit auseinander, wie wahrscheinlich die Amerikaner vom Mond entfernt waren. Aber wer dieses friedliche Paradies im rauen, windigen Patagonien erleben darf, der ist voller Glücksmomente und kann sich immer nur zweifelnd zwicken "Wirklichkeit oder Traum". Ein unbestritten bezaubernder Ort mit einer faszinierenden Tierwelt zum Träumen, die Douglas Tompkins gekauft, geschützt und damit gerettet hat. Nur der starke patagonische Wind mit einer Geschwindigkeit von 140 km/h kann uns in diesem Park am nächsten Morgen aus unseren Träumen im geschützten Camper schütteln. Unsanft, aber wunderbar gewaltig.

 
28 31
  23
26 27 25 32 24