"Iguazú und die glücklich machende Kraft der negativen Ionen"
Die Wasserfälle von Iguazú- egal ob auf brasilianischer oder argentinischer Seite- ist der Ort des Wassers. Ein "Hotspot, ein must-to-experience, eine Weltsehenswürdigkeit" so oder ähnlich bescheuert in den Werbeprospekten betitelt. Für die esoterisch angehauchten Persönchen ein Ort mit einer Unmenge an negativen Ionen, die glücklich machen (sollen). Hilft hierfür der schlichte Wasserzerstäuber zu Hause eigentlich auch? Auf jeden Fall hauen dem Besucher die Negativionen nur so um die Ohren. Zwar sehen auch hier wieder einige Touristen eher wie "dröge Tassen" (plattdeutsch trockene Tassen) aus. Aber an diese ausdruckslosen und emotionslosen Blicke können wir uns auch nach so einer langen Reise schlichtweg nicht gewöhnen und müssen es immer wieder kommentieren. "Das Leben kann schon hart sein- besonders im Urlaub". Dabei ist der Spaßfaktor selbst bei winterlichen frostigen 18 Grad hoch. Stege führen über Wassermassen durch subtropische Vegetation, an handgroßen Schmetterlingen, bunten Tukanen und schnüffelnden Nasenbären vorbei zu spektakuläre Aussichtsplattformen. Je nach dem, wo der Besucher steht, bekommt er die volle Gischtpackung ab. Die nasse Unterhose saugt sich in die Poritze, glatt gefönte Frauenfrisuren kräuseln sich engelsgleich in alle Richtungen, die Wimperntusche läuft wie bei einer billigen Hure im Regen streifenartig durchs Gesicht. Die schlichte Anmutung eines Nordseespaziergangs bei Regen und Sturm. Aber wer hält von denen im trübem Deutschland eine sauteure Digitalkamera in das nasse Element? Keiner, genau. Hier scheint Regen bereits ins kleine Stübchen gelaufen und die Vorsicht gegenüber der sensiblen Technik über Bord gespült zu sein. Die feinen Wassertröpfchen legen sich auf alles, kitzeln sanft das Gesicht und unsanft die teure Kamera. Die Wimpern werden unter dem Gewicht der klitzekleinen Tröpfchen tonnenschwer. Ein wunderschönes Gefühl, dem man sich nicht mehr entziehen möchte.
Der "Teufelsrachen" führt so viel Wasser, dass der Blick in die Tiefe kein Ende finden kann. Gischtwolken werden federleicht in die Lüfte gehoben und sammeln sich unter lautem Tosen zu neunen Wassermassen. Überall fließt Wasser, fliegen Tropfen durch die Luft und zeigen die Gewaltigkeit des Elements. Braune Wassermassen, die sich aus kleinen Wasserfällen zu einer undurchdringlichen Wasserwand vereinen. Beim Blick in die Tiefe und in die bewegten Massen verlieren wir schnell den Halt und verspüren den Drang ins Bodenlose zu fallen. Beim Aufprall in der Tiefe erinnert uns das Wasser an Lawinen, die fein wie Staub zerfallen und plötzlich nur noch "leicht" aussehen. Bei unserem Besuch ist die Leichtigkeit des Wassers allerdings generell verloren gegangen. Die gefallenen Regenmassen haben in diesem Jahr "El niño-Charakter". Alles ist bis zum Bersten voll gelaufen und überschwemmt. Und so sehen wir nicht, wie die zarten Vögel durch die gigantischen Wasserfälle zu ihren Nestern fliegen, die hinter denen liegen. Ein perfektes Versteckt, sicher, trocken und genial zu erreichen für die Vögel. Diese Wunderwerke der Natur kennen ihre Grenzen und die Machbarkeit ihres Handelns. Wohingegen die Krönung der Schöpfung wohl ab und zu nur ein spatzengroßes Gehirn daran hindert. Krönung der Schöpfung- dass wir nicht lachen.
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