"Die eigentlichen Schätze haben keinen goldenen Glanz"
Schon Zuhause haben uns Bekannte gefragt, was wir denn auf unserer Reise den ganzen Tag machen würden. Damals haben wir flapsig geantwortet, dass wir uns alte Steine in Form von Ruinen und Pyramiden ansehen werden. Und wenn wir die nicht auf Anhieb verstehen, dann gehen wir ein zweites oder drittes Mal hin und schauen sie uns noch mal an. Damals eher als Scherz bzw. Antwort auf eine ziemlich dämliche Frage gemeint. Wir haben uns in Mexiko über 20 Ausgrabungsstätten angesehen und sind die "langweiligen Steine" immer noch nicht satt. Immer wenn wir gerade dachten, dass wir dieser Kultur ein Schritt näher gekommen sind, dann ging es gleich wieder zwei Schritte zurück. Der Standartspruch in unseren Reiseführern war "leider ist dieser Sachverhalt noch nicht enträtselt und unbekannt". Der Grund liegt allerdings nicht darin, dass zum Beispiel die Azteken zu einfälltig und primitiv waren, um ihre Kultur zu beschreiben oder zu bewahren. Sondern sie archivierten in Glyphen, beobachteten nicht nur die Sterne, sondern berechneten bereits, heilten ihre Kranken mit umfangreicher Medizin und bauten Prachtbauten für die Ewigkeit. Die Ewigkeit endete in vielen Orte wie Tenochtitlan (jetzt Mexiko City) mit der Eroberung durch die Spanier. Nicht nur das die stinkenden Spanier die stärkste Waffe, nämlich diverse Epidemien, einschleppten und die Ureinwohner dahin sichten. Die heilige, römische Inquisition und die Eroberer verbrannte nahezu alle Schriften, zerstörten die "heidnischen" Tempelanlagen, meißelten den Göttern ihre Gesichter heraus, bekehrten die "Wilden" und vernichteten unwiederbringliche Kulturschätze. Sie verwendeten die Steine der alten Tempel und ließen in Sklavenarbeit daraus neue Gotteshäuser errichten (Mitla bei Oaxaca ist ein beschämendes Beispiel dafür). Heute sehen wir immer noch indigene Völker, die ihre altindianischen Bräuche mit den katholischen vermischen und dadurch ihr Überleben in der damaligen grausigen Welt sicherten. Indios wurden gefügig gemacht, indem ihnen Wunder offenbart wurden, wie die Jungfrau von Guadalupe, die praktischerweise einem neu getauften Indio in Form von Rosendornen auf seiner Haut erschienen war. Obwohl und gerade weil Mexiko zu den gläubigsten Ländern der Welt zählt, fühlen wir uns besonders in den pompösen Gotteshäusern beschämt. Wahrscheinlich auch, weil die katholische Kirche in der heutigen Zeit Kirchvertreter rehabilitiert, die diese Inquisition als ein Seelenheil für die Indios verkaufen.
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