"Glücklicherweise ist nicht alles zerstört,"
oder verschwunden und wir können nicht nur in den atemberaubenden Ausgrabungsstätten diese Kultur bewundern. Für uns ist das Anthropologische Museum in Mexiko City der krönende Abschluss. Wir sehen den übergroßen, tonnenschweren Olmekenkopf, die Türkis- und Jadeplättchen besetzte Teotihuacan-Totenmaske oder den Sonnenstein mit der dargestellten aztekischen Mythologie und haben die Ausgrabungsstätten vor Augen und setzen das fehlende Puzzleteil ein. Wir stehen wieder in Gedanken in Tula und kennen den Standort der riesigen Atlanten als Station unserer Reise. Oder überblicken die Weite von Monte Alban und können die gehauene Maske des Fledermausgottes aus Gold und Türkisen einordnen. Vieles ist sehr aufwendig restauriert und rekonstruiert worden. Und wir müssen uns die "grauen, schmucklosen Steine" mit weißem Stuckglanz überzogen vorstellen; müssen uns die Farbenpracht der Menschen und der Bauten selber in unseren Köpfen ausmalen. Die Masse in diesem Museum erschlägt uns trotzdem und wir verstehen zunächst nicht, warum nicht mehr Exponate in kleinen Museen bei den Ausgrabungsstätten verblieben sind. Aber nachdem wir von dem Raub im Anthropologischen Museum in der Weihnachtsnacht 1985 gelesen haben, wo 1/3 der gesamten Maya Ausstellung geraubt wurde, ist uns alles klar. Auch warum skrupellose Reiche ihr Vermögen in diese Art von geklauten Kunstschätzen investieren. Aber vielleicht gibt es auch hier ausgleichende Gerechtigkeit. Denn Spanien hat der gestohlene "Goldschatz der Azteken" die unglückbringenden Götter gesendet und nur vorübergehend Wohlstand beschert. Wohlstand, Dekadenz und Überheblichkeit katapultierten danach Spanien in den Ruin und das Land blieb für lange Zeit das "Armenhaus Europas". Auch das Weitergeschachere des Goldes nach Russland und wahrscheinlich in die USA hat das Unglück nicht abreißen lassen. Jede vermeintliche Hochkultur scheint sich irgendwann an ihrer Überheblichkeit und Skrupellosigkeit zu verschlucken. Beispielsweise war Teotihuacan (Sonnen- und Mondpyramide) bereits verlassen, als die Spanier ihren Fuß auf diesen Kontinent setzten. Die Gründe lassen sich immer nur vermuten: Größenwahn und Überheblichkeit der herrschenden Schicht. Immer das Gleiche, heute wie damals!