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Kaktus
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

"Andere Länder, andere Sitten"

Das ist das aufregende am Reisen, dass man wie ein Kleinkind neugierig seine neue Welt entdeckt, Dinge in Frage stellt, naiv in Fettnäpfchen tritt und scheinbar der Sehende unter den Blinden ist. Das erste, augenscheinlich Neue läßt die Milch im Kühlschrank schaumig schlagen. Die im Auto sitzende Oma muss ihre dritten Zähne kräftig zusammen beißen, damit die Dritten ohne Kukident-Haftcreme überhaupt drin bleiben. "Topes" ist der offizielle Name und meint gemeine Straßenhindernisse, die wie dicke Schlangen quer auf der Fahrbahn liegen. Mal sind sie gut gekennzeichnet, mit einem Schild vor dem Hindernis oder manchmal auch dort, wo gar kein Hindernis ist. Mal ohne ein Schild, wo dann ein besonders Fieser lauert; teerfarbend ohne gelbe Kriegsbemalung und damit nicht zu erkennen. Mal variiert die böse Schlange auch ihr Aussehen und ähnelt halb aufgeschnittenen Eisenbällen und liegt in fünfer Reihen hintereinander. Ständig müssen wir auf der Hut sein, denn diese "policia acostado" (der schlafende Polizist), kuschelt sich manchmal auch an seine Frau heran und heißt dann "policia acostado con su mujer" und ist besonders hinterlistig. Die Monster an Bodenschwellen lassen die gute Laune auf ein Minimum sinken, das Innere unseres Campers durcheinander schütteln und die mexikanischen Schrottautos ohne Stoßdämpfer schwingen minutenlang wie aufgemotzte Rapperautos vor sich her. Der Wackeldackel hätte seine wahre Freude an den Topes. Würde aber wahrscheinlich kurzfristig eine Genickstarre bekommen und mit einem Schleudertrauma inklusive Halskrause enden.
Nach dem Styroporterror in den USA lieben wir die kleinen, mexikanischen Schnellimbisse. Es sind einfache Stände wo häufig Mama, Papa, Oma, Opa und die Kinder lecker kochen. Es scheint eine Frage der Ehre zu sein, dass die Salsas (fruchtig scharfe Chilisoßen) selbst hergestellt werden. Das Essen wird auf einfachen Plastiktellern serviert, die danach von Hand abgewaschen werden. Die Kochstelle befindet sich meistens direkt vor unseren Nasen und gibt Einblicke in die stolze Sauberkeit der Stände. Einfach, aber sehr kreativ wird aus den wenigen Mitteln schöne Dinge gezaubert. Die bunten Tresen bestehen aus alten zusammen gewürfelten Fliesen, die Plastikstühle stellt der Getränkegigant Coca Cola zur Verfügung und ein alter Sonnenschirm schirmt vor ungewollten Luftattacken von scheißenen Vögeln ab.
Die Läden haben ihre Fassaden bunt bemalt und sie gleichen teilweisen kleinen Kunstwerken. Hier wird tief in den Malkasten gegriffen und Maiskolben werden ebenso lebensecht abgebildet wie Getriebe, Autorreifen oder Schuhe. Markennamen wie Coca Cola oder Tecate werden von Hand aufgemalt oder mit vorgefertigten Schablonen auf die Häuserfassade gesprüht.

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