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Kaktus
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

"Das Toilettenpapier wird meistens nicht wie bei uns Zuhause in die Toilette geschmissen"

sondern in den Mülleimer daneben. Häufig sind die Leute auch so taktvoll, dass sie das Papier kunstvoll nach ihrem Geschäft zusammen falten und so das große Geschäft auch ein sauberes für die Nachfolgenden bleibt. Bei Wasserspülungen mit kräftigem Druck vertilgt das kleine Örtchen alles was ihm in die Quere kommt und gurgelt vorher alles mit viel Wasser durch.
Der mexikanische Cowboy läuft wie selbstverständlich in Jeans, die von einer großen Gürtelschnalle gehalten wird, einem hellen Cowboyhut und Stiefeln durch die Straßen. Es ist genauso Alltagskleidung, wie auch Ausgehklamotte. Junge, frischrasierte und einparfümierte Männer stehen selbstverwusst in ihren Cowboyklamotten vor dem Eingang der städtischen Clubs, wie sie auch selbstverständlich auf ihrem Pferd durch die Straßen reiten können.
Mexiko ist aber auch das Land der großen Unterschiede. Es gibt ebenso die Städte mit dem Großstadtflair, wo Menschen in ihren mächtigen Geländeautos stundenlang über ihre Mobiltelefonen kommunizieren oder sich in hippen Klamotten weltmännisch in den Kneipen und Restaurants präsentieren. Es gibt die Servicestraßen, in denen neben Mc Donalds, der Wal mart, Stapels und C&A den uniformen Globalisierungswahnsinn und den Hauch einer großen unbegrenzten Welt wiederspiegeln. Im Wal mart zeichnet sich die häßliche Weihnachtsdekoration aus China durch kräftiges Blinken aus. Unsere heimischen Weihnachtslieder "Oh Tannenbaum" und "Stille Nacht" werden auf deutsch über die Kaufhauslautsprecher gesungen. Eine kleine, akustische Fatamorgana für unsere deutschen Ohren, aber wahr.
An einer Kreuzung blinkt uns ein LED-Männchen entgegen. Kein statisches, unsportliches Männchen. Sondern eines, was laut piept und neben der verbleibenden Zeit auf einer Schautafeln im Rhythmus mitläuft, um bei den letzten 5 Sekunden einen Sprint hinzulegen.
Und wir sind in eines der gläubigsten Länder der Welt gereist. Das tiefe Gottvertrauen zeigt sich in dem kamikatzemäßigen Fahrstil der Mexikaner. Gott leider nicht überall sein und kann doch nicht alles richten. Und so begleiten uns die vielen Kreuze am Straßenrand durch Mexiko. Kleine, aber auch mannshohe Schreine lassen an die Toten gedenken und die Mutter Maria ist die wichtigste Frau im Land. Kein Zweifel! Sie wird mit kostspieligen Rosengestecken geehrt und das persönliche, übergroße Mariagemälde darf in keinem katholischen Haushalt fehlen.
Über die Auto-Motels in diesem katholischen Land spricht niemand, aber es gibt sie haufenweise. Sie stehen an Hauptstraßen und bestechen durch ihre Anonymität. Jedes Zimmer hat eine Garage mit Rolltor, die freundliche Frau am Empfangsschalter steht hinter einer schwarzen Fensterscheibe und ist für uns nicht zu erkennen. Hier können sich die gläubigen Menschen also neben ihrer Pizza auch Dildos und mit ihrer Pasta Viagra bestellen. Falls die Frau für die einsamen Stunden fehlt, kann auch hier konsumentenfreundlich nachgeholfen werden. Nicht nur für fremdgehenden Ehemänner oder noch nicht Verheirateten eine perfekte Liebeshöhle, sondern auch für die Schmuggler dieses Landes eine gute Übernachtungsmöglichkeit. Leider paßte unser hoher Camper nicht durch das niedrige Eingangstor und die Frau war etwas verwundert, als wir unschuldig nach einem Parkplatz und nicht nach einem Dildo fragten. Andere Länder, andere Sitten.

 
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