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"Aber die Insel Chiloé wäre nicht ein besonderes Fleckchen auf unserer Reise"

wenn es nicht noch eine ganz andere Seite geben würde: wir stehen in Puñihuil mit unserem Camper auf der hintersten Landzunge zwischen einer kleinen Fischerhütte und einem Restaurant. Unter uns rauscht der Pazifik in diese kleine geschützte Bucht, die bunten Holzfischerboote liegen aufgereiht am Strand und die putzigen Humboldt- und Magellanpinguine hüpfen nach einem anstrengenden Fischfangtag auf ihre Inseln zurück. Die Bucht liegt in der Abenddämmerung und hat tagsüber wieder einmal Hunderte von Touristen "überstanden". Nun sind die wenigen Bewohner wieder unter sich, denn er gibt hier keinen Platz zum Übernachten...außer in einem Camper. Dieser Platz auf der Insel Chiloé hat sich seinen Namen durch die immer im September wiederkehrenden Pinguine gemacht. Der Anziehungspunkt behält bis März seinen Reiz, denn mit den verschwindenden Pinguinen (Magellan nach Süden, Humboldt nach Norden) schwinden auch die Touristen. Nun zur Hauptsaison werden die Touristen in orange Schwimmwesten vor dem "drohenden Ertrinkungstod" geschützt und mit dem Boot an die Inseln mit den Bruthöhlen gefahren. Aber die Natur hat ihren eigenen Rhythmus, denn die meisten der Pinguine sind tagsüber im Meer auf Fischfang. Erst wenn die Sonne langsam untergeht, springen sie aus dem Wasser an Land, rutschen tollpatschig auf ihren Bäuchen herum, fallen unbeholfen auf ihren Pinguinhintern und bewältigen ihren stundenlangen Aufstieg zu ihren Nestern im Zeitlupentempo. Nur noch die Fischer sehen unser seniles Grinsen beim Beobachten der Tiere, denn ansonsten ist der Strand menschenleer. Während unseres Frühstücks am Morgen mit Blick über die sonnige Bucht, herrscht am Strand geschäftige Betriebsamkeit. Die Fischer schieben gemeinsam über Holzstämme ihre Boote zu Wasser, unsere Nachbarn sammeln schon seit Beginn der Ebbe die Algen vom Strand ein und die bunten Schwimmwesten werden für den Ansturm der Touristen bereit gelegt. Als diese dann kommen, fahren wir am Strand entlang, allerdings in die entgegen gesetzte Richtung. Wir winken den Einheimischen zu, die natürlich alle vom "rollenden Haus" (im spanischen "casa rodante") in ihrer kleinen Bucht wussten. Das ist auch Chiloé...
Und dann ist da der kleine private Campingplatz am Rand des Chiloé Nationalparks. Die Familie hat auf ihrem abgelegenen Grundstück kleine Plätze zwischen großen Pflanzen zum Zelten aufgebaut. Alles ist sehr einfach und ohne viel Geld improvisiert, aber die Sorgfalt und das Eigenengagement sind schnell zu spüren. Selbst aus der eigenwilligen Duschkonstruktion kommt tatsächlich warmes Wasser (Glücksgefühl). Und weil die Einkünfte von den wenigen Touristen, die an der Westseite der Insel die vielen Regengüsse lieben, nur sehr begrenzt sind, geht die Familie fischen. Es sind "Fischer ohne Boot", die bei Ebbe die langen Netze am Strand auslegen. Einige schieben mit ihren Schubkarren die Netze zum Strand. Andere haben hinter ihr Pferd einen alten Holzkarren gespannt. Ums Eck bei der Nachbarin gibt es den fangfrischen Fisch einfach und frisch zubereitet. Und das ist eben auch Chiloé...
Auch wenn wir auf den ersten Blick die ärmlichen Fischer mit denen der amerikanischen Westküste in Washington verglichen haben, springen uns die großen Unterschiede nach einer Weile regelrecht an. Die Menschen hier, ziehen beim Regen und vor dem Leben nicht ihre Köpfe ein. Die Einheimischen sind zwar schweigsam, aber freundlich. Ihre wunderschönen Mützen sind aus der dicken Wolle der einheimischen Schafe gestrickt und nicht bei Walmart auf dem Krabbeltisch gekauft. Die essbaren Dinge wie Gemüse und Obst kommen hier noch frisch vom Feld und nicht aus der plastikfolienverpackten Styroporschale. Der Fisch hat hier natürlich noch Gräten und ist nicht rechteckig als Fischstäbchen mit Panade als Außenhaut geboren worden. Die Uhren laufen hier besonders langsam, bleiben stehen oder können auch mal rückwärts ticken.
Und auch wenn das Wetter auf dieser Insel die meiste Zeit im Jahr grau sein mag, ihre Menschen in ihren windschiefen Holzhäusern sind es nicht.

 

 

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