"An den Straßen verkaufen Frauen ihre selbst eingekochten Marmeladen"
Früchte und Obst kistenweise für Großfamilien. Die Felder stehen in voller Ernte und die Beeren haben nicht nur im Dezember eine Ernte, sondern stehen nun in der zweiten. Selbst das Wetter ist im Vergleich zum verregneten Dezember "lieblich". Eigentlich ist dieser Zustand von völliger Harmonie und Sanftheit der Natur das gewünschte Ziel eines jeden Reisenden und uns langweilt es. Uns springen immer wieder Bilder von gesehenen Bergen, Landschaften, Menschen wie ein Internet-Popup an. Wir möchten nie irgendwas miteinander vergleichen, tun es aber im stillen Kämmerlein des Kopfes doch. Die Meßlatte nach so vielen Orten liegt hoch und der Vergleich mit der Heimat Deutschland ist hier in der Seenregion zu nahe liegend. Wir fangen zu schlendern und bummeln an. Ab und zu müssen wir uns einen starken Tee kochen, damit das langsam fließende Blut wieder in Wallungen kommt oder suchen die Herausforderung auf den Rücken von Pferden. Aber auch das wird in dieser Landschaft um Pucón eher unter "lieblich" verbucht. Sowieso leben hier in dieser Region seit einiger Zeit noch mehr Ausländer, die das milde Klima, das Angebot an internationalen Schulen für ihre Kinder, das globale Restaurant- und Kneipenangebot und die Aussicht auf schnelles und leicht verdientes Geld wittern. In Chile ist momentan alles in Bewegung, nicht nur während der fast täglichen Erdbeben.
Die Bilderbuchvulkane, wo einer schöner und perfekter als sein Nachbar aussieht, sind wunderschön und beeindruckend. Grüngrau qualmt der Vulkan Villarica. Nur grauschwarz hustet der Vulkan Chaiten. Bei den unzähligen aktiven Vulkanen in den Anden haben wir uns mittlerweile eine ruhige Gelassenheit angewöhnt. Aber was wir in der Nacht beim Blick auf den Vulkan Villarica sehen, bringt unser Blut schon noch in Wallungen und ist eine Riesenüberraschung. Das flüssige Magma leuchtet aus dem Schlot heraus und färbt die Nacht darüber leuchtend rot. Wie ein Bunsenbrenner variiert die Höhe der Leuchtsäule in dem sternenklaren, chilenischen Himmel und der unzähligen Sterne. Uns wundert die Unbekümmertheit der Einheimischen beim Anblick der Naturgewalt. Aber sie haben ja Recht. Das Menschenleben ist so kurz, dass die Wahrscheinlich höher ist beim Autounfall zu sterben, als beim Vulkanausbruch. Den nahen Tanz auf dem Vulkan lieben nicht nur Millionen Menschen in und um Mexiko-Stadt, sondern überall auf der Welt. Nur die wunderschönen, unzähligen Vulkane, die perfekt wie auf einer Perlenkette aufgereiht stehen, sind wohl einzigartig auf diesem Kontinent.