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"The High One, Denali oder Mount McKinley"

Bei der Fahrt vom Süden in den Norden Alaskas stellen wir mit Schrecken fest, dass die Straße langweilig ist. Das Gefühl der Langeweile hatten wir auf den gesamten 18.000 Kilometer noch nicht. Und nun inmitten von Alaska verspüren wir Langeweile. Nicht, weil wir nichts mit uns und unserer Zeit anzufangen wissen, sondern weil die Straße wie bei uns Zuhause aussieht. Zwischen Anchorage und dem Denali wachsen Birken und andere Bäume, die zum einen die Sicht auf die interessantere Taiga versperrt und die die Straße wie Zuhause aussehen lässt. Tunnelblick und langweilige Bäume über Hunderte von Kilometern sind einfach zu viel für den abwechslungssuchenden Deutschen. Und dann kommt unerwartet und mit einem riesigen Paukenschlag der Wechsel. Wir folgen dem Hinweis einer Verkäuferin und fahren in den kleinen Ort Talkeetna, der von seiner Nähe zum Denali lebt, stolpern durch die am Hang liegende Hotellobby und landen auf der sonnenverwöhnten Terrasse mit Blick auf den Denali. Eigentlich scheint die Sonne, aber um das Bergmassiv stauen sich trotzdem die Wolken und versperren uns schon wieder den Blick. Außerdem suchen wir "den Großen" viel zu niedrig, nämlich oberhalb der vorderen Berge und sind sprachlos, als eine Art Fatamorgana viel höher auftaucht. Dieser Berg, den die Athabascan Native People "the High One" nennen, verschlägt uns die Sprache. Wie immer, wenn man nichts großartiges erwartet. Er ragt also mächtig, allein als weiße Masse in den Himmel und macht so viel Eindruck. Zeigt uns mit seiner großen Erscheinung, dass wir Menschen nur eine kurzfristige Laune der Natur sind, die in Abständen von 100 Jahren denken. Dieser kleine Berg, in Relation zu anderen Bergriesen, besticht durch seine weiße Schönheit und lässt uns wieder einmal ganz klein erscheinen. Der Berg hat uns das erste Mal das Gefühl gegeben, dass es wert war, die weite Strecke nach Alaska gefahren zu sein.
Die Strecke in den Norden zum Denali National Park lässt nur wenige Blicke auf den Denali zu. Viele Menschen fahren mehrere Male dorthin und sehen ihn trotzdem nie. Das eigene Wetter und die Bildung von Wolken unabhängig von der Gesamtwetterlage verhüllen den Berg in der Touristenzeit (Sommer).
Wir stehen nach weiteren Hunderten von Kilometern vor einem Denali National Park und fragen uns, was dieser Park bis auf den Denali selbst, zu bieten hat. An der Touristeninformation erfahren wir, dass der Mitarbeiter noch nie so weit im Park war und deshalb leider auch keine Auskunft geben kann. Wir buchen also nichtswissend und nicht viel erwartend einen Shuttlebus um 11.15 Uhr (natürlich der letzte Bus), der laut Plan 11 Stunden herum fährt und dabei ca. 240 Kilometer durch den Park zurück legt. Eine unvorstellbare lange Zeit für deutsche Verhältnisse und würde bei uns nie funktionieren. Wer setzt sich in einen alten amerikanischen Schulbus und kauft die Katze im Sack. Wir sehen alle anderen Bus vollgestopft an uns vorbei fahren, haben die Enge vor Augen und fangen schon mal an zu hyperventilieren. Dann sitzen wir allerdings überglücklich mit 4 Personen im Bus und haben einen erfahrenen Busfahrer, der bei jeder Tierbewegung im Gebüsch anhält, viel erklärt und uns sicher durch die Weite des Parks fährt. Das eigene Autofahren ist im Park verboten und nach den ersten Kilometern wissen wir auch warum. Der Bus schlängelt sich im Zeitlupentempo auf Schotterpisten haarscharf am Abgrund vorbei. Der Blick nach unter ins Tal und in die Ferne wird durch nichts gebremst. Den freien Fall unseres Busses würde auch nichts bremsen. Auf die Frage, ob schon mal ein Bus verloren gegangen ist, antwortet unser Busfahrer: "Wir haben noch alle Busse wiedergefunden. Und wenn nicht, dann passen die grünen Busse in die Natur".
Die Landschaft besticht durch Farben, die kein Farbkasten der Welt hergibt: schokoladenbraune Felsen, kirschrote Sträucher, pistaziengrüne Felswände und schneeweiße Bergkuppen. An den Berghängen scheint der Schnee wie Milch am Glas herunter zu laufen. Die bunten Blumen in lila, weiß und gelb scheinen in der kurzen Vegetationsperiode so viel Schönes zu geben, wie sie nur können. Riesige Gletscher fließen durch die Berge ins Tal und die Gletscher, die bereits vor langer Zeit geschmolzen sind, hinterlassen tiefe Furchen im Gestein. Die Flussbetten sind ausgetrocknet und lassen den vanillefarbenden Sand wie im Wirbelsturm durch die Luft fegen. Bei Regen suchen sie sich allerdings in dem breiten Tal neue Wege und lassen das Wasser rastend schnell ansteigen. Und die Abwechslung durch den Park hält tatsächlich die gesamte Zeit an. Die Taiga wechselt sich mit der Tundra ab und bringt jeweils unterschiedliche Vegetationen und damit Farben zum Vorschein. Die subarktische Wildness scheint von Weitem karg, aber beim genauen Hinsehen lässt sie uns eine unbeschreibliche Vielfalt entdecken. In der Einfachheit liegt wieder mal die Schönheit. Die Busfahrt wirkt wie ein Theaterstück, bei dem nach einer kurzen Zeit der Vorhang fällt und wieder ein neuer Akt mit anderem Bühnenbild gespielt wird. Selbstverständlich wechseln hier auch die Schauspieler und so läuft eine Grizzlymama mit ihrem Kleinen wie selbstverständlich auf der Schotterpiste herum. Der Fuchs benutzt wie auch die Karibus oder Elche ganz selbstverständlich die Straße und lassen den Tag noch perfekter werden. Der einzige Wehrmutstropfen ist der steife Nacken, der nach 9 Stunden Schüttelshake einfach nicht mehr zum Kopf gehört. Die letzten Kilometer sitzen wir in einem normal gefüllten Bus und können zum Glück schon unsere "Tier- und Naturliste" abhaken. Denn wenn 20 Personen beim Anblick eines Grizzlies in viel zu weiter Ferne auf eine Seite des Busses springen, dann leiden nicht nur die Stoßdämpfer, sondern auch das Maß an Geduld. Das mitgebrachte Brötchen bleibt ausserdem im Hals stecken, wenn einige Damen sich nur noch mit Mühe quer durch die Sitzreihen bewegen können und trotzdem stecken bleiben. Nicht nur der Denali, sondern auch einige Besucher sind eben schwergewichtig und hinterlassen einen Ein- bzw. Abdruck.

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