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"Was King, Red, Silver, Pink und Chum gemeinsam haben- sie sind Lachse"

In Deutschland können wir gerade noch einen Wildlachs von einem Zuchtlachs aus dem Atlantik unterscheiden. Manchmal auch nur, weil es auf der Plastikverpackung steht oder der Fischverkäufer auf dem Markt einen unfassbar teuren Preis dafür aufruft. Viele verschmähen den Lachs mittlerweile generell, weil er viel zu fettig geworden und nur noch schwer verdaulich ist. Früher wurde einem der Lachs nur so hinterher geschmissen. Billig und in großen Mengen. In Hamburg gab es ein Lachsgesetz, was besagte, dass ein Angestellter bei seiner "Kost und Logi" mindestens 1x in der Woche "richtiges Fleisch" verdient hat. An den 6 anderen Tagen durfte es billigen Lachs geben.
Wir erfahren auf unserer Reise durch Kanada und Alaska, dass es hier nicht nur einen banalen Lachs gibt. Die Menschen schwärmen vom King (Chinock), Silver (Coho), Red (Sockeye), Pink (Humpy) und dem Chum (Dog) Lachs. Richtige muskulöse Brocken, die so verrückt sind, dass sie flussaufwärts mehrere Hundert bzw. Tausend Kilometer zu ihren Laichplätzen schwimmen. Auf ihrer Reise überwinden sie Stromschnellen, Wasserfälle und ganz besonders viele Angler. Obwohl auch in Kanada und Alaska die Lachse rar werden, dürfen sich die Einwohner eine Jahreserlaubnis für 24$ (16 Euro) kaufen. Angeln und Jagen scheinen hier die wichtigsten Grundrechte zu sein, ohne die wohl die Menschen einen Volksaufstand ausrufen würden. Auch wenn es immer lachsärmer in den Flüssen zugeht und die Fischaufzuchtsfarmen wie Pilze aus dem Boden sprießen, Angeln ist der Volkssport Nummer 1. Kleine Jungs sind bereits mit einem Equipement von mehreren Hundert Dollar ausgerüstet. Zum ganzen Stolz ihrer Väter, die sich bei diesem heiligen Thema nicht lumpen lassen. Und so wird fleißig die Angel in den Fluss gehalten, auch wenn das Limit (3 Redsalmon pro Tag) für diesen Tag schon längst erreicht ist und die Fische nach dem Männerkampf wieder freigelassen werden müssen. Nicht umsonst heißt es Sportangeln. Die Unterarme sollen nach einem teuer erkauften Tag auch entsprechend schmerzen. Teuer deshalb, weil der Parkplatz bezahlt werden muss, die Fähre auf die andere Flußseite (Russian River am Kenai-Delta) nicht umsonst ist und die Sportausrüstung ja auch nicht lumpig aussehen soll. Heute rennt auch keiner mehr im Baumwoll T-Shirt um die Alster!
Und so stehen sie an den freigegebenen Gebieten und zu einer festgelegten Zeit an den Ufern der Flüsse. 2 Meter auseinander stehen die Sportangler und werfen teilweise ungedultig ihre Hightec-Angeln in die Fluten. Da die Lachs bei ihrer Wanderung keine Nahrung zu sich nehmen, muss ständig an der Leine gerissen werden, um zufällig in das Maul eines Lachses zu geraten. Wir sind ein wenig neidisch, als wir die kräftigen Lachse von den Füssen ihrer Angler zappeln sehen. Sollte Ingo sich doch noch für 20$ (pro Tag) eine Angelerlaubnis holen? Wir werden schnell aus der sentimentalen Lagerfeuerstimmung gerissen, als wir die filetierten Lachsskelette an uns vorbei treiben sehen. Warum sollte die Überflussmentalität bei vielen Amerikanern auch hier am Fluss aufhören? Einige Angler essen nur die Filets der Lachse und werfen die Überreste (auch noch schlecht filetiert) zurück in die Natur. Von den verwöhnten Grizzlies hatten wir diese Eigenart schon gehört, aber von übersättigten Sportanglern? Zum Überluss ertränken sie den wundervollen Fisch in einer Fettfritöse und schmücken das Gericht mit dem klangvollen Namen "Fish & Chips". Richtig, das Essenangebot in den tollsten Fischorten heißt fettige Pommes mit fettigem Fisch.
Wir bleiben also nur die zuschauenden Touristen, die verbissene Angler fotografieren, Angler mit der Schrottflinte im Wasser stehen sehen (ist immer noch das Revier der Bären) und lernen dann eine philippinische Angelgruppe kennen. Diese Angler legen den gut ausgenommenen und gewürzten Lachs mit der Hautseite auf den Grill. Direkt vor Ort am Fluss wird ein großes Lachsgrillen für die Familie gemacht. Der rote Lachs sieht köstlich aus und wir werden eingeladen. Der gegrillte Sockeye-Lachs sieht leuchtend rot, fast pinkfarbend aus, schmeckt zart wie Sashimi und hat kaum Fett zwischen seinen Fleischsegmenten. Wir lassen den Fisch genüsslich auf der Zuge zergehen und haben noch nie so einen frischen und köstlichen Fisch gegessen. Wir fragen den freundlichen Philippinos Löcher in den Bauch und bekommen nur ein Schmunzeln als Antwort, auf die Frage, wie viele Fische hier gefangen werden. Sie glauben zwar nicht, dass wir offizielle Kontrolleuer sind, aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellanvase. Übrigens ist für viele der Lachsfang nicht nur Sport, sondern einfach eine billige Nahrungsbeschaffung. Die US-amerikanischen Indianer mussten sich in jahrelangen Gerichtsprozessen dieses alte Recht zurück erkämpfen. Und so haben sie Privilegien, die den meisten Sportanglern mächtig die Zornesröte ins Gesicht steigen lässt. Beim Thema Angeln und Jagen kennt hier kaum einer Spaß!

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