"Verbotsschilder, Kontrollen und ein aussterbender Alaska Highway"
Alaska fühlt sich am Anfang einfach nicht so frei und unbegrenzt an, wie wir es uns ausgemalt hatten. Der 9. September 2001, die andauernde amerikanische Immobilienkrise und die steigenden Ölpreise verändern Stück für Stück dieses Land. Am Alaska Highway stehen verlassene Häuser zum Verkauf, die Fenster sind vernagelt und der Autoschrott ist das einzig übrig gebliebende. Die wenigen Campingplätze sehen trostlos und uneinladend aus. Die staatlichen Campgrounds "ohne alles" sind im wahrsten Sinne des Wortes ohne alles. Ohne Zuwendung, Hygiene auf den Plumbsklos und vielfach ohne Atmosphäre. Vielleicht auch ohne finanzielles Buget? In Kanada und besonders im Yukon wurde einem das Reisen leicht gemacht. Da gab es zwar auch wenig, aber das wenige war beeindruckend und war das, was wir gesucht haben. Verbote gab es auch, aber immer irgendwie nett beschrieben. Nicht so in Alaska. Hier wird selbst die Inlandsfähre von Valdez in Alaska nach Whittier in Alaska zum Sicherheitsproblem. Unsere Reisepässe werden zwei Mal kontrolliert, die Unterseite einiger Wohnmobile werden stichprobenartig mit großen Spiegeln abgesucht und die vielen Hinweisschilder auf Überwachungskameras wirken lächerlich. Klar, liegt die Endstation der Alaska-Pipeline in Valdez. Aber bei dem tragischen Tankerunglück vor Valdez ist damals auch keine Bombe verantwortlich gewesen. Aber Richtlinien sind Richtlinien, und davon hat die USA ja reichlich bekommen. Zwar legen die Alaskaner großen Wert darauf, dass sie eben nicht zu den "Lower-48" gehören. Aber das Korsett aus Angst, Kontrolle und Gesetzen wird ihnen trotzdem regierungsgesteuert angelegt. Ein 70-jähriger Ameriker umschrieb es sehr passend: in Europa wird alles offener und freier und in den USA werden neue Mauern gebaut und die Freiheit wird immer mehr eingeschrängt. Für das Bewahren der viel zitierten Freiheit ist der Preis zu hoch, oder?
Beim erneuten Blick auf die Landkarte von Alaska wird uns klar, dass die schönen Plätze und die weite Natur nur schwer per Auto zu erreichen sind. Die "zivilisierten Teile" des Landes sind durch zwei Straßen verbunden, die einen kleinen Kreis und einen größeren Kreis bilden. Davon gehen einige wenige Straßen ab, die allerdings an zwei Händen abzuzählen sind. Leider muss man sehr kreativ sein, um eine Strecke nicht zweimal fahren zu müssen. Zwar ändert sich mit der Richtung auch die Ansicht, aber das ist auch nicht die größte Motivation, eine 300 Kilometerstrecke noch einmal zu fahren. Die Weite Alaskas lässt sich also hervorragend mit dem Flugzeug oder mit dem Boot bzw. Fähre erkunden. Schade, dass wir nicht zu dieser Art der Reisenden zählen werden. Also, folgen wir jeder sinnvollen Straße in Alaska mit unserem Auto und hoffen, die viel beschriebene Freiheit und die ungewöhnliche Natur zu entdecken. Aber das Gefühl will sich einfach nicht einstellen. Die "zivilisierten Straßen" sind mit gigantischen Wohntrucks, die auf den permafrostgeschädigten Straßen wippen, überfüllt. Dabei haben wir noch nicht einmal Hauptsaison, aber es konzentriert sich alles auf wenige Straßen und scheinbar wenige interessante Urlaubsziele. Selbst die nichtssagende Stadt Anchorage wirkt mit viel zu hektischen Menschen und viel zu schnell fahrenden Autos ungemütlich. Leider sind die wenigen Straßen und Orte in einem Abstand von 300 Kilometer zu Anchorage das Naherholungsgebiet und somit genauso "überfüllt". Uns zieht es also immer mehr in Richtung Norden. Und dort finden wir tatsächlich das Gefühl, endlich in Alaska angekommen zu sein. Aber das ist eine andere Geschichte mit dem großen Denali.
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