"Unten heiß und oben ziemlich kühl, die schlummernden Vulkane"
Wir erinnern uns an die Schulzeit, wo wir wieder einmal theoretische Dinge lernen und am Besten auch noch verstehen sollten. Wie kann sich ein deutsches Kind einen Vulkan theoretisch vorstellen, wenn es noch nie einen aus der Nähe gesehen hat. Gar nicht, denn die Naturgewalt ist unbeschreiblich. Wir sehen also von Vancouver Island aus, die ersten Spitzen der Vulkane, die sich von Washington (der Staat im Westen) bis Kalifornien aneinander reihen. Das augenscheinlich Besondere ist, dass sie nicht wie eine bekannte Bergkette dicht an dicht stehen und in zarten Übergängen in einander verschmelzen. Sie stehen wie Riesen alleine in der Weltgeschichte herum, benötigen scheinbar viel Platz, so dass sie eitel ihre ganze Schönheit alleine zeigen können. Und so strahlt jeder Vulkan für sich in der roten Abendsonne.
Mount Rainer ist einer der ersten Vulkane zu dem wir Körperkontakt aufnehmen. Bergauf geht es zunächst vorbei an bunt blühende Bergwiesen. Die von der Natur angelegten Steingärten wirken so perfekt, dass sie kein Blankeneser Gartenarchitekt besser hätte anlegen können. Die Natur hat eben doch über die Jahrmillionen die schönsten Farben und Formen kreiert. Danach werden wir von oben durch die heiße Sonne getoastet und es geht immer höher über Schnee- und Eisfelder. Leider nur bis zur letzten Hütte, die auch noch nicht einmal Bier im Angebot hat. Es geht eben doch nichts über eine gemütliche Alpenhütte. Wir machen uns also schmachtend auf den Rückweg und verkünden den abgemühten Bergsteigern, die uns entgegen kommen, dass das Bier schon kalt im Kühlschrank steht. Einige lachen, aber andere verstehen unseren deutschen Humor überhaupt nicht. Trinken ist ja immer noch in den USA in der Öffentlichkeit strikt verboten und die scheinen noch nie in den Alpen wandern gewesen zu sein. PP, persönliches Pech. Überhaupt muss man einiges und besonders sich nicht immer so ernst nehmen und rutschen mit diesem Gedanken auf dem Hosenboden Mutter Erde entgegen. Zwischen zweitlich versuchen wir Ski zu fahren ohne Ski an den Füssen zu haben und kugeln uns vor Lachen. Zu lachen wird den Menschen in der näheren Umgebung 1980 bestimmt nicht gewesen sein. Der große Nachbar Mount St. Helens schoss seine Bergkuppe mitsamt seines Gletschers in Richtung Osten. Kleine Staubpräsente kamen durch den großen Staubsauger Jetstream und durch den großen Fahrstuhl Atmosphäre selbst in Europa an. Die große Straubschicht begrub alles Lebende unter sich und so mussten die Menschen in der näheren Umgebung die Asche aus den Gärten schaufeln.
Von unserer kleinen Wanderung auf den Mount Rainier sah der Mount St. Helens ziemlich unspektakulär aus. Alle anderen Vulkanriesen ließen ihre Gletscher und Schneeschichten in der Sonne erstrahlen. Mount St. Helens sah wie das häßliche Entlein aus, obwohl er doch so hoch ist. Total unlogisch. Zwei Tage später wurde auch dieses Rätsel gelüftet, als wir uns dem Riesen näherten. Für uns scheinen 28 Jahre nach einem Vulkanausbruch eine verdammt lange Zeit zu sein (beschränktes menschliches Empfinden). Die Landschaft und der Gletscher sind also immer noch in Asche gehüllt und deshalb ist das kleine graue Entlein eigentlich unter seiner Ascheschicht ein ebenso schöner Schwan wie alle anderen. Und das was wir uns heute mit großer Faszination ansehen, erweckt bei den Einheimischen immer noch abwartende Skepsis. Der große Riese schläft und läßt die Ruhe vor dem Sturm erahnen, denn der Riese drückt seit 4 Jahren aus seinem Inneren eine neue Kuppe (Dom) heraus. Und weil wir uns schon als Kinder alles besser bildlich vorstellen konnten, erscheint uns eine LKW-Ladung pro Sekunde schon wieder völlig abstrakt. Diese Geschwindigkeit können wahrscheinlich nur chinesiche Bauarbeiter vor einer drohenden Olympiade im eigenen Land toppen.
Das Machtverhältnis zwischen Mensch und Natur ist für uns mal wieder klar wie Kloßbrühe geworden. Auch wenn die Natur kein Gehirn besitzt- worauf wir Menschen uns ja immer so viel einbilden- wir werden von der Natur nur geduldet und werden letztendlich immer den Kürzeren ziehen.