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"Nostalgie einer Ranch und die Jugend eines Cowgirls"

Es gibt Dinge, die auf Anhieb so besonders scheinen, dass man Angst hat, sie zu berühren. Oder wenn man sie berühren kann, ohne das sie wie Seifenblasen zerplatzen, dann kann man es gar nicht fassen, dass man es selbst erleben kann. So romantisch verklärt erging es uns mit dem Besuch der Familienranch von Theresa. Theresa ist wie ihre Schwestern auf einer Ranch aufgewachsen. In unserem Sprachgebrauch würden wir sagen: sie ist auf einem 30.000 Hektar großen Bauernhof aufgewachsen. Hat aber statt der schwarzbunten Holsteinerkuh, das schwarze Angusrind zusammen getrieben. Dabei hat sie nicht auf einem bequemen John Deer-Traktorsessel gesessen, sondern in einem Westernsattel. Jeder in ihrer Familie musste im Spätsommer beim Zusammentreiben der Rinder im Sattel sitzen. Die schwarzen Rinder sieht man zwar so sicher wie den Ketchupfleck auf der Krawatte, aber bei 30.000 Hektar ist das schon eine wochenlange Arbeit. Und während dieser Zeit lebt die Familie nicht in dem komfortablen Farmhaus, sondern mitten in der Wüste Orgeons in einer kleinen Holzhütte. Theresa Augen leuchteten, wenn sie von diesem Ort sprach und jetzt wo wir es kennen, wissen wir auch warum. Einige ihrer Freunde waren von so viel Einfachheit überfordert und Theresa daraufhin enttäuscht. Wir allerdings bekamen schon große Ohren, als sie uns von der Einsamheit in der Wüste, den vielen Erinnerungen und den Familiengeschichten erzählte. Der Weg zur kleine Holzhütte war schottrig und hätten wir flüssige Sahne im Auto gehabt, dann wäre diese wohl zu Butter geschlagen worden. Und dann stand die kleine Hütte mitten in der Wüste, einsam und fast verlassen. Das Holz war vom rauhen Wüstenklima verwittert, die verrosteten Tierfallen hingen am Nagel in der Scheune, alte Cowboystiefel standen vergessen in der Gegend herum, die Windwasserpumpen leuchteten in der Sonne und eingerahmt wurde alles durch das hölzerne Farmschild, war allerdings vor kurzem geklaut worden ist. Neben der Hütte stand ein alter Baum, der wie ein Vogel seine Flügel über den Holztisch, der darunter stand, ausbreitete. Unter diesem Baum hätten wir stundenlang sitzen und in die Wüste starren können. Die Atmosphäre in der Hütte war an Nostalgie und Wärme kaum zu übertreffen. Hier standen Wohnzimmermöbel am Steinkamin, die aus jeder "Route 66-Kneipe" hätten stammen können. Für die vielen Cowboys in früheren Jahren standen Betten wie im Bettenlager dicht nebeneinander. Die bunt gestrichenen Zimmer im Stil der 50er Jahre waren an Farbigkeit nicht zu übertreffen. Überall waren kleine Details zu entdecken, wie alte Cowboycartoons in der blauen Küche und vergilbte Kennedyfotografien an der Wand, wo ein Familienmitglied das Foto von Obama daneben geklebt hatte. Die kleinen unterschiedlichen politischen Meinungen werden hier subtil diskutiert. Die Nacht in der Wüste war sternenklar und eisigkalt. Von weitem konnten wir die Kojoten heulen hören. Nachdem wir uns aus den Schlafsäcken geschält und ein kleines Feuer im Kamin die erste Wärme verbreitete, kochte Theresa ein echtes "Buckarroofrühstück (Cowboyfrühstück)", wie es ihr Opa immer gekocht hatte: Pfannkuchen mit Ahornsirup und Butter, Rührein mit Speck und deftige Bratkartoffeln. Denn wer hart arbeitet, muss auch gut essen. Wir haben nach dem Frühstück nur alte Indianerpfeilspitzen in der Wüste gesucht und mussten uns nicht stundenlang den Hintern im Westernsattel platt reiten. Aber auch nach der Aufgabe dieser bewirtschafteten Ranch können wir uns bildlich die harte Arbeit vorstellen und wissen aber auch, wieso dieses alte Haus immer noch ein Leuchten in den Augen der Familienmitgliedern hervor zaubert.

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