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"Alles dicke Dinger- die Tüten, die Autos, die Lippen und scheinbar auch die Brieftaschen"

Wir sind im Land des Scheins und nicht Seins gelandet. Haste was, denn biste was. Lieber immer ein auf dicke Hose als dicke Backen machen. Und langsam zerplatzt die große Seifenblase der Amerikaner. Auf Pump leben hat eben doch nur eine kurze Befriedigung. Wie bei Kindern wird das große Spielzeug langweilig oder ist nach einer kurzen Blenderzeit nicht mehr trendy genug. Dinge kaufen, mit Geld was man nicht hat. Um Leute zu beeindrucken, die man eigentlich auch nicht mag. Der große Katzenjammer bricht gerade über die Amerikaner zusammen. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten schlägt zur Zeit bretthart auf. Die bunten Verkaufsschilder für Häuser und Grundstücke reihen sich auch vor den schicken Wohngegenen von Malibu und der gesamten kalifornischen Pazifikküste in Meterabstand aneinander. Teilweise verschwimmer die Schilder der Wahlplakate und die der Immobilienmarkler einander. Der einzige Unterschied zu den ärmeren Wohngegenen ist der Name des Marklers. Plötzlich verkauft nicht die dickliche Marklerin Kathrine, die sich selbstverständlich mit unvorteilhaften Foto als super kompetente Verkäuferpersönlichkeit anpreist, sondern so wohl klingende Firmen wie Southerbys. Das Ergebnis ist und bleibt aber das gleiche. Die Leute können ihre Fassade nicht mehr aufrecht erhalten. Sie müssen zu einer der schlechtesten Zeiten ihren Besitz verkaufen und den meisten bleibt keine andere Wahl. Wahrscheinlich verlieren sie nicht nur ihr Haus, sondern auch gleich ihre soziales Umfeld und die sogenannten Freunde mit.
Dann gibt es selbstverständlich die Menschen, die scheinbar immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Sie haben ihren Wohlstand erreicht und wollen es auch zeigen. In sonnenverwöhnten Malibu kommen uns Nobelkarossen entgegen, deren Aufschriften am Kofferraum kaum genügend Platz haben. AMG Tuning, S 660 Mercedes, Turbo, Kompressor und komische Hyroglyfen, die nur Eingeweihte neidisch entschlüsseln können. Die protzigen Chromfelgen erinnern uns an Autos von Luden auf dem Kiez und würden bei uns nur unseriöse Geschäfte vermuten lassen. Hier gehört Tuning des Autos zum guten Ton wie das Tuning der eigenen Frau. Wenn man schon Geld hat, dann will man sich auch mit "schönen Dingen" umgeben. Die Lippen erinnern an aufgepumpte Fahrradschläuche, die spitze Nase an Michael Jackson, nur mit dem Unterschied, dass sie noch im Gesicht hängt und nicht abgefallen ist. Die großen Augen haben keine Schlüpflider mehr, sondern stehen hohl in der Augenhöhle. Anzeichen von Falten sich noch sichtbar, aber nur noch als glattgezogene Linien auf der Haut. Die Mimik erstarrt wie das Lächeln ihres Governeurs Arnold und erinnert an Tim Taler ", dem Jungen, der sein Lächeln verkaufte." Die Accessoirs sind so einfallslos wie die tragenden Unpersönlichkeiten und wirken uniform, aufgesetzt und gekünzelt. Die Marken, die gleich als teuer erkannt werden und doch so einfallslos sind, weil sie hier jeder trägt. Aber da sie jeder kennt, ist der abschätzende Röntgenblick auch schnell erledigt. So scannt mich eine Frau von oben bis unten auf meine Geldbörsengröße und Statussymbole, als wir zusammen vor dem Klo warten. Sie scheint in jede Masche meiner Kleidung mit ihrem Blick eindringen zu wollen. Wahrscheinlich hat sie innerhalb dieser fünf Minuten auch die Zeit meiner letzten Beinepilierung eingeschätzt und welche Pedi- und Maniküre ich nicht hab machen lassen. Innerlich verreißt es mich fast vor lachen und ich komme mir plötzlich noch reicher vor, als ich es sowieso schon auf dieser Reise empfinde. Eigentlich traurig, dass sie wahrscheinlich nie das Leuchten in Augen von Menschen oder die Falten in Gesichtern, die durch das Leben geschrieben worden sind, erkennen wird. Sehen oder Erkennen sind eben doch zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Ihre Schuhe passen mir nicht, sowenig wie meine ihr passen. Zum Glück kann ich meine Schuhe beliebig anziehen und von diesem Ort wegrennen.

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