"Wrangler Jeans, derbe Lederstiefel und ein staubiges Kaugummi zwischen den Zähnen- die wahren Cowboys"
Die Autofahrt mit unseren amerikanischen Freunden von Bend (Zentraloregon) zu unserem Ziel war lang und staubig. Immer wenn wir dachten, dass hinter der nächsten staubigen Straflenecke die Welt zu Ende ist und wir ins bodenlose Nirgendwo fallen, windet sich die Strafle weiter und führt uns immer weiter ins Cowboyland. Paulina, heiflt der Ort unseres Ausflugs. Und was sehr weiblich anmutet, entpuppt sich als raubeiniger Ort eines Rodeos. Aber kein Rodeo, wo sich bezahlte Profis ihre Knochenbrüche versilbern lassen. Dies ist ein Amateur-Rodeo und jeder kennt hier jeden. Unsere Freundin ist hier auf einer Ranch aufgewachsen und kennt selbstverständlich auch jeden. Es heißt hier nicht nur "sehen und gesehen werden", sondern man muss auch noch eine gute Figur machen. Schliefllich will sich keiner bis auf die Knochen vor seinen Nachbarn blamieren. Das bedeutet aber nicht, dass der Ehrgeiz oder die Größe der zu besteigenen Bullen kleiner ist.
Zum Dresscode des Wochenendes gehört wie selbstverständlich die blaue Wrangler-Jeans, ein geb¸geltes Baumwollhemd, eine coole Gürtelschnalle und ein grofler schattenspendener Hut. Die kleinen "Drei-Käsehoch" reiten ebenso cool gekleidet, wie ihre groflen Idole. Hier zwinkern weibliche Teenager ihren mutigen Klassenkameraden mit hochroten Kopf zu. Übereifrige Eltern versuchen aus ihren unmotivierten Kindern neue Cowboysternchen zu machen. Dabei verblassen sie im Schatten derer, die erst das Reiten im Westernsatteln und dann das Laufen gelernt haben. Diese kleinen Cowboys und -girls haben scheinbar mit der ersten Muttermilch gleich den WÜstenstaub und die Liebe zu den Pferden aufgesaugt. Die kleinen Reiter sind teilweise so klein und schnell auf ihren viel zu großen Pferden, dass sie wie kleine festgeschnallte Puppen auf dem RÜcken hin und her geschleudert werden. Die Ängstlichen MÜtter stehen ebenso am Zaun und sehen ihre tapferen Jungs meterhoch durch die Luft fliegen, um dann wie kranke Käfer um Arenastaub auf dem Rücken zu landen. Die groflen Pickup-Trucks haben sich am frühen Morgen bereits die besten Plätze als Zaungäste gesichert. Sie stehen aufgereit mit der Ladefläche zum Geschehen, haben alle ihre groflen Kühlboxen mit Dosenbier gefüllt und sitzen gemütlich unter dem Sonnenschirm auf ihren Klappstühlen.
Der Ablauf dieses Rodeos ist wie ein schweizer Uhrwerk präzise geplant. Eine Disziplin jagt die nächste und es bleibt kaum Zeit ein Bierchen aus dem mitgebrachten Pappbecher zu trinken. Auch hier herrscht das sinnlose Alkoholverbot und wird wie überall selbstverständlich gebrochen. Diesen Rodeostaub können wir Ungeübte auch nur mit ganz viel Flüssigkeit herunter spülen.
Alles an Stimmungsausbrüchen ist bei unserem Rodeo in Paulina dabei. Wir brüllen vor Lachen beim "Wildkuhmelken"; stehen erschrocken am Zaun beim "Bullenreiten"; staunen beim "Zeitreiten der Kleinkinder" und sind sprachlos beim "Lassowerfen der Frauen". Unsere typisch deutsche Frage, an die Mutter eines bullenreitenden Cowboys, ob er "Eierbecher" (kennt doch jeder Handballtorhüter) unter seiner engen Jeans trägt, versetzt die "ach-so-prüden-Amis" in schallendes Gelächter. Also, das Geheimnis wird gelüftet: die Cowboys denken eher an ihren Kopf und tragen einen Sturzhelm als an ihre Nachkommenschaft. Auf jeden Fall hilft es auch hier, wenn der Mutige nicht ganz so viel denkt. Und so verbringen sie alle ihr Wochenende auf dem Rodeo, grillen, tanzen, trinken und schlafen in ihren Trailern und Zelten auf der Wiese vor der Arena. Jeder fährt am Sonntagabend wieder zurück auf seine Ranche, um dort auch ohne Applaus die Rinder mit dem Lasso einzufangen und ein ganz normaler Cowboy oder Cowgirl zu sein, JIIIIHAAAAA!