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"Über 3500 Jahre alt, über 100 Meter hoch und über 12 Meter breit- die Mammutbäume"

Unsere Faszination für die Bäume dieses Kontinents geht nachdem wir die Grenze von Kanada in die USA überschritten haben weiter. Und dieses Mal auch ein wenig mehr "ami-like". Denn an die meisten Riesen könnten wir bequem mit dem Auto, mit einem Shuttlebus oder mit anderen faulheitsfördernden Gefährten bis auf wenige Meter heran fahren. Rausfallen, Fotomachen und wieder wegfahren. Teilweise ist die Straße um die Riesen herumgebaut, so dass wir mit unserem hohen Camper lieber zweimal schauen, ob wir unsere Skibox auf dem Dach der Natur opfern. Aber wir sind mittlerweile in der Nebensaison des Massentourismus angelangt. Und wie es eine Rangerin so bildlich formulierte, da sind die größten Campermobile bereits drunter durchgefahren und haben Vorarbeit mit den herunter hängenen Ästen geleistet.
Wir stehen also wieder wie die Zwerge vor diesen schönen Riesen und können ihre Geschichten in der verknöcherten Rinde leider nur erahnen. Wie ein altes faltiges Gesicht spiegelt die Rinde das Erlebte wieder und die Schwärze der Waldbrände sind fast die einzigen entschlüsselbaren Merkmalen. Wir stehen vor so hohen Bäumen, wie unsere Gotteshäuser, die durch ihren kalten Marmor und ihrer Höhe Ehrfurcht verleihen sollen. Wir bestaunen so gewaltige Stämme, dass wir uns kaum vorstellen können, dass irgendwas diesen Baum zu Fall bringen kann. Geschweige jemand es wagt, diesen Baum zu fällen. Wir beäugen sprachlos so alte Bäume, dass unsere gelernten Geschichtskenntnisse vollständig versagen. 2800 Jahre, 3500 Jahre oder 1500 Jahre alt. Also noch vor unserer begreifbaren Zeitrechnung und damit fast nicht mehr vorstellbar.
Und wie immer, wenn der Mensch versucht, der Natur ein Stückchen Näher zu kommen oder sie zu verstehen versucht, vermasseln er es. Wir schließen von uns auf den Rest der Welt und versuchen mit unserem kleinen Horizont die Welt zu entschlüsseln. So fingen die Menschen vor ca. 100 Jahren an, diese Riesen vor dem bösen Feuer zu schützen. Was der Mensch nicht verträgt, dass kann so einen Riesen sicherlich auch nicht gut tun. Pustkuchen! Die Bäume brauchen das Feuer, wie wir die Luft zum Atmen. Denn Feuer bedeutet Leben, Fortpflanzung und Dünger für die Bäume. Als also die Schatten der Bäume immer lichter wurden und es mit ihrem Bestand fast zappenduster wurde, ging den Menschen zum Glück ein Licht auf.
Sobald wir von diesen Bäumen umgeben sind, werden wir ruhig. Wir atmen die frische Luft ein und betasten die verknöcherte Rinde. Komischerweise lächelt man dabei unbewußt. Wahrscheinlich weil man glücklich ist, sich dieses Meisterwerk der Natur erleben zu dürfen und sozusagen den Kreislauf des Lebens zu spüren. Die Frage, ob die Natur Schöneres hat entstehen lassen oder der Mensch ist schnell beantwortet. Oder wer möchte, wenn es eine Wiedergeburt gibt, lieber ein Auto oder so ein wunderschöner Baum werden? Okay, ein alter VW Bully mit getrennter Frontscheibe ausgenommen.

 
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