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"Die Ecuadorianer empfinden Baños als sicheren, gemütlichen, idyllischen"

und vor allem heiligen Urlaubsort. Hier vergisst jeder seinen Alltag, bummelt mit den Kindern und großen Eistüten durch die kleine überschaubare Innenstadt, sitzt in komischen Fred-Feuerstein-Tourbussen oder mietet sich waghalsig ein Quad mit Überrollbügel. An jeder Ecke werden bunte Zuckermassen zu Süßigkeiten geformt. Die mit offenem Maul gegrillten Meerschweinchen drehen sich knusprig braun über der Holzkohle und sehen ohne Fell wie unansehliche Ratten aus. Vielleicht kommt die Ähnlichkeit auch nur durch die Nacktheit oder sonstigen Gemeinsamkeiten wie Krallen, Schwanz und den kleinen Schneidezähnen, die bösartig den Feinschmeckern entgegen grinsen. Aber Baños gilt als Ort der besten Meerschweinchen und diese Delikatesse bekommt der Besucher nicht jeden Tag frisch auf den Tisch.
Und nach einigen Tagen in diesem Ort sehen wir nicht mehr die hässlichen Bauten der Stadt, die uns schon wieder an das unbekannte Rumänien erinnern, nicht den staubigen Auswurf des Vulkans, sondern gehen gemütlich wie die Einheimischen mit einem Eis durch die Innenstadt, lassen uns in einem Schweizer Restaurant mit Käsefondue und Rösti verwöhnen und genießen die unbeschwerte Langsamkeit des Ortes. Die Stadt leistet sich sogar eine organisierte Müllabfuhr (eine Seltenheit in den meisten Örtchen Ecuadors) und strahlt damit auch eine Art sauberen Wohlstand aus. Jeden Spätnachmittag fährt der bemalte Müllwagen mit einer Art Spieluhrmusik durch die Gassen und verkündet die gemeinschaftliche Sauberkeit; für die Einheimischen, aber auch für das empfindliche Auge des geschätzten Touristen.
Und Baños ist nicht nur berühmt für seine quietschenden Vierbeiner auf dem Grill, sondern auch für seine Schwitzkisten, den Baños de Cajón. Die Einen haben ihr Fell schon über die Ohren gezogen bekommen und grillen genüsslich. Die Anderen lassen sich in eine Art dampfende Kiste setzen und sotten langsam bei über 100 Grad Celsius vor sich hin. Die Besonderheit der energiesparenden Schwitzkiste ist, dass der Kopf aus der Kiste herausragt. Dabei ist der schwitzende Kopf wie unter einem Fallbeil- eingerahmt von zwei Holzplatten- eingeklemmt und sieht sich sozusagen aus der Entfernung an, wie der Körper aus allen Poren schwitzt und entschlackt. Und weil gemeinsames Schwitzen immer mehr Spaß macht, stehen die Schwitzkisten auch gerne in der Gruppe beisammen und die Köpfe gucken wie aneinander gereihte Schießbudenfiguren auf dem Rummel aus ihren Löchern. Oder ist Baños doch einfach ein kleiner Vergnügungspark mitten im unterentwickelten Ecuador?

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