"Es ist Markttag und wo Tiere gehandelt werden"
dort darf der Sensemann nicht fehlen. Auf dem Schlachtplatz stehen die wartenden Schafe angepflockt und schauen zu, wie ihren Artgenossen das Fell über die Ohren gezogen wird. Das anonyme Schlachten wie bei uns, wird hier öffentlich sauber "vollstreckt". Wenn man Fleisch essen möchte, dann ist das wohl das notwendige Übel. Die ausgebluteten Schafe werden systematisch ausgeräumt und leer gekratzt. Und so reduziert sich die Anzahl der angepflockten Schafe im Laufe des Tages auf null. Die anfallenden Schafsfelle werden von einer anderen Geschäftsfrau aufgekauft, weg getragen und schweben fleischlos an den letzten wartenden Schafen davon.
Der wöchentliche Markttag ist die Möglichkeit alle Besorgungen zu erledigen. Männer stehen mit ihren steinalten, aufgebauten Singer-Nähmaschinen bereit, um kleine Ausbesserungen vorzunehmen oder um neue Hosen zu nähen. Da jede indigene Frau und jeder Mann in dieser Region einen Filzhut trägt, hat der Hutmacher alle Hände voll zu tun, um kneifende Hüte mit Dampf passend zu machen oder neue Filzhütte in Auftrag zu nehmen. Der Schuhmacher richtet im Minutentakt abgelaufene Sohlen und Absätze. Und Absätze trägt hier die modebewusste Frau. Der Markttag und der darauf folgende Wahltag (Correa ist das zweite Mal gewählt worden; ein politisches Wunder in Ecuador) sind regelrechte Gelegenheiten zum Aufrüschen und Aufbretzeln. Die Frauen tragen traditionell Filzhut, knielange Röcke (selbstverständlich unterhalb des Knies), Kniestrümpfe und bunte Fransenschals. Mit Atmen beraubend hohen Absätzen wird im Tragetuch auf dem Rücken das Kleinkind durch die holprigen Straßen balanciert. Von wegen Dorfpomeranzen! Wenige Männer tragen Ponchos (und besonders keine roten; da haben wohl mehrere Reiseführer falsch von einander abgeschrieben und sollten nach Guamote fahren) und vielmehr westliche Kleidung. Die Frauen sind in dieser Region ganz klar der optische Hingucker und darauf sind ihre Männer stolz. Wie es sich für einen Marktag gehört, brutzeln an jeder Ecke kleine Leckereien. Die unter den Tisch geworfenen Knochen machen am Ende des Tages einen kleinen Tierfriedhof aus und werden von den Straßenhunden mit knirschenden Zähnen verspeist. Keiner geht nach diesem Markttag leer aus. Auch nicht die Männer, die sich den geschäftigen Markttag mit Schnaps schön trinken.
Nur 15 Kilometer entfernt von Zumbahua liegt der Kratersee Quilotoa. Der dorfeigene Schlagbaum am Eingang von Quilotoa beweist, dass dies eine touristische Hauptattraktion Ecuadors ist. Der See sieht eben wie ein vollgelaufener Kratersee aus, mit blauem Wasser, einer tollen Andenkulisse, aber leider trotzdem irgendwie trostlos. Im kleinen Ort versuchen die Einheimischen den neuen Hostel-Trend mit schnell gebauten Verschlägen nachzukommen und auch ein Stückchen des Tourismus abzugreifen. Kleine Kinder werden aus den umliegenden Hütten zu den Touristen geschickt, um Geld zu erbetteln. Bei der mickrigen Vegetation ist jeder Tourist schnell erkannt und anvisiert.
Wir klettern nach einem langen Tag wieder auf eine der vielen Lastwagenladeflächen, lassen uns den Wind um die Ohren wehen, beantworten tausend Fragen der mitfahrenden Einheimischen und freuen uns wieder mal, dieses Stückchen Ecuador und diese Ecuadorianer kennen gelernt zu haben.