"Am nächsten Morgen sind wir um 5 Uhr nicht die ersten Frühaufsteher"
Die Kühe dösen schläfrig im Melkstall, werden gemolken und schlendern faul auf die Weide zurück. Wir stellen uns an die Straße nach Zumbahua und warten keine 5 Minuten, dann hält der erste Pickup-Wagen. Wir kuscheln uns im kalten Morgenfahrtwind auf der Ladefläche an die anderen Indigenas und werden heiter angelacht. Die kleine, bestimmt 80-jährige Oma, kramt immer noch einen Schal hervor, den sie um ihre schmalen Schultern und ihren grünen Filzhut schlingt. Bei 12 Personen auf der Ladefläche und jeder Menge Gepäck lassen wir die vielen Anhalter am Straßenrand stehen und fahren zum Samstagsmarkt in Zumbahua. Beim Aussteigen gibt jeder dem Fahrer ein bisschen Geld und nachdem die kleine Oma zwar auf den Pickup klettern konnte, kommt sie nun aber nicht mehr herunter. Ohne Worte hebe ich (große, blonde, westliche Frau) diese federleichte, indigene Oma mit einem Arm von der Ladefläche. Alle um uns herum lachen und die Oma strahlt mich dankbar an. Manchmal sind die großen Ausländer eben doch für was zu gebrauchen.
Über den Ort hängt eine geschäftige Stille. Es sind schon viele so früh auf den Beinen, wissen genau was sie kaufen, verkaufen oder erledigen wollen und es herrscht eine entspannte Ruhe über den verschiedenen Plätzen. Selbst auf dem Tiermarkt werfen sich die Käufer und Verkäufer nur knappe Wortfetzen zu und wir sind erstaunt, wie schnell und unkompliziert die Besitzer wechseln. Die Idylle wird nur von einem quietschenden Schwein unterbrochen, das partout nicht die anderen Geschwister verlassen will. Schön gekleidete Frauen mühen sich mit vereinten Kräften und unter dem Gelächter der Herumstehenden ab, das kleine Schweinchen zu bändigen. Packlamas stehen wie geparkt am Marktplatzrand und warten gelassen auf ihre zu tragende Last. Der frühe Morgen birgt eine ganz besondere Atmosphäre auf diesem Markt und die einzelnen Touristen spielen keine Rolle in diesem Film. Um 10 Uhr, als die ersten Touristenbusse anhalten und eigentlich nur noch die Trümmer eines Markttages zu sehen bekommen, machen sich die meisten Einheimischen mit ihren gekauften Waren bereits wieder auf den Heimweg. Lamas trotteln brav am Strick nach Hause. Die bunten Privatbusse verschlucken die müden Indigenas im Inneren und verstauen die großen Gemüsesäcke draußen auf dem Dach. Schweine und Schafe werden widerspenstig mit Seilen auf das Busdach gezogen und machen sich ängstlich fürs Bussurfing bereit. Privatautos gibt es nur wenige, und so springen alle schnell in irgendwelche Busse, Pickups und Privatlaster, um eine begehrte Mitfahrgelegenheit zu erwischen. Aber auch das regelt sich wie fast alles in Ecuador unkompliziert und gelassen.
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