21 27 26  
25
>
> Home > Wohin > Ecuador > Otavalo > mehr
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

"Vom staubigen Tiermarkt an der Panamericana"

geht es auf der für Verkaufsstände gesperrten Straße in Richtung "Mercado 24 de Mayo". In diesem Bereich und den vielen Seitenstraßen sieht man kaum Touristen und die Einheimischen kaufen hier ihren Wochenvorrat in großen Mengen ein, außerdem ihre neuen chinesischen Turnschuhe oder Kochtöpfe oder die neusten Raubkopien aller Kinofilme. Das touristische Zentrum ist der "Plaza de Ponchos", der auch in der Woche alle erdenklichen Souvenirs, hier wird es Handwerk oder sogar Kunst genannt, anbietet. Am Samstag wird das selbe Angebot allerdings an weiteren 100 Ständen kopiert und erschlägt selbst den willigsten Kaufinteressierten mit Massen an Lamabettdecken, Alpakamützen, Wolltischdecken. Denn Otavalo ist für seine Textilindustrie berühmt und Peru und Bolivien mit ihren Alpaka- und Lamaprodukten gehören stillschweigend auch zu "Hecho en Ecuador" (hergestellt in Ecuador). Ist ja schließlich der Andennachbar und so pingelig muss man es mit der Herkunft auch nicht sehen. Außerdem gibt es in Ecuador gar nicht genügend Alpakas, wie es Mengen an Alpakaware gibt. Und was der dominierende Nachbar aus China trotz der hohen Importzölle nach Otavalo schickt, lässt sich nur vermuten. Die Beschenkten Zuhause werden den Unterschied nicht erkennen und schließlich zählt die Geste.
Der große Vorteile am Samstagstagsmarkt ist, dass die hässlichen Bausünden durch die meterhohen Verkaufsstände verdeckt werden Wer zu Wohlstand in Otavalo gekommen ist, hat leider den Grad an Geschmacksverirrungen hinsichtlich des Baustils nicht verringert. Derjenige, der was auf sich hält baut groß und rund. Egal, ob die Fenster für runde Hauserker vorrätig sind und der Bauarbeiter sie richtig einsetzten kann. Meistens klaffen zwischen den Rundungen Lücken, die nachträglich auch mit viel Silikon nicht zu schließen sind. Private Statussymbole wie runde Erker und gewölbte Fenster gibt es also reichlich. Der gemeinschaftliche Wohlstand der Stadt drückt sich in Hässlichkeiten wie knallblaue Straßenpfosten mit Goldrand, pseudo-futuristische Straßenlaternen und bunte Gehwegfliesen aus.
Apropos Wohlstand. Auf alle anderen ecuadorianischen Märkte springen die Einheimischen in alte Busse, klapprige Pickups oder schrotte Lastwagen. In Otavalo schwirren am Ende des Markttages die gelben und sauberen Taxen wie Bienen in der Sonne um den Bienenstock und viele Einheimische wie auch Touristen springen in die Taxen und Privatautos und lassen sich fahren. Auch dadurch drückt sich Wohlstand aus.
Aber das Schönste in Otavalo sind nicht die Dinge auf dem Handwerksmarkt oder die Freundlichkeit der Bewohner. Es sind auch nicht die eleganten Trachten der Frauen und Mädchen, die diese voller Stolz tragen. Es sind die männlichen Geschöpfe, die ihre wunderschön glänzenden Haare zu einem Zopf gebunden tragen und die Haare der weiblichen Modelschönheiten von Schauma-Shampoo, Guhl, Pantene Pro-V und Timotei brüchig und spröde aussehen lassen. Dazu noch den traditionellen blauen Poncho, die 3/4 lange weiße Hose und die weißen Baumwollsandalen und der Traum einer jeden Schwiegermutter geht in Erfüllung.
An allen anderen Wochentagen verschwinden in Otavalo die bettelnden Alten jedoch nicht hinter den vielen Verkaufsständen. Sie sitzen vor der Kirche oder gehen im Marktgebäude umher und bekommen von den Suppenküchen wie selbstverständlich ihre Gratissuppe. Das von uns dazu gekaufte Hühnchen verschwindet so schnell in der Tasche des bettelnden Opas wie die meisten Touristen am Samstagnachmittag in ihren Bussen verschwinden...auf dem Weg nach Quito oder auf die Galapagos Inseln mit ihren neu gekauften Alpakamützen.

28
 
22  
24 20   23 29