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"Homosexualität in der ecuadorianischen Öffentlichkeit und dann auch noch als Wahlkampfthema?"

Kaum zu glauben, aber das weltbekannte Zeichen für alle Homosexuellen, die farbenfrohe Regenbogenflagge, weht überraschenderweise in Ecuador an vielen Häusern. Ein Paradies für gleichgeschlechtliche Liebe? Weit gefehlt, denn Ecuador ist extrem katholisch. Liste 18 hat das Regenbogensymbol für seinen Wahlkampf 2009 entdeckt. Wahrscheinlich weil die chinesischen Merchandisingartikel extrem günstig zu bekommen und in Massen vorhanden sind. Die Kandidaten strahlen also doch höchst heterosexuell mit Regenbogenschal von ihren Wahlplakaten und scheinen die weltweite Bedeutung nicht zu kennen oder schlichtweg zu ignorieren. Ob die Liste 18 für ihren nächsten Wahlkampf ihr globales Symbol selbstbewusst beibehält wird sich zeigen. Ist ja auch egal, denn der Sieg ist an die Liste 35 und ihrem Kandidaten Correa gegangen. Der alte und neue Präsident lässt neues südamerikanisches Selbstbewusstsein verlauten. Auf großen Werbetafeln wird die Kampagne "Quando compres...Primero Ecuador" (Wenn du kaufst....als erstes Ecuador) beworben. "Primero Ecuador" soll sich durch alle Bereiche wie Essen, Urlaub oder Stolz ziehen. Dabei wird ermahnend der Zeigefinger in den ecuadorianischen Farben gelb, blau und rot erhoben. Das Konterfei von Che darf in Ecuador auch auf keiner Mütze, keiner Häuserwand, keinem T-Shirt oder verbeulten Bus oder Wagen mehr fehlen. Und ihr Präsident Correa stimmt mit in den Schlachtruf des Volkes ein: "revolución". Es gibt eine Revolution des Straßenbaus, eine für die Bildung usw. Und weil nur die Tat zählt und nicht das einsam gesprochene Wort, werden die in Ecuador stationierten Amerikaner nach Jahrzehnten wieder in ihre Heimat geschickt oder können sich die Amis mittlerweile keine Stationierung mehr leisten und es werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen? Wie auch immer, "viva la revolución"!

Selbstbewusst stehen sie im Bus und preisen ihre Ware an. Eine Busfahrt mit einem der Überlandbusse ist in Ecuador ein echtes Erlebnis. Nicht nur, weil wir einen ganz anderen Bezug zu unserem Leben und der Vergänglichkeit nach der rasanten Busfahrt empfindet, sondern weil hier immer was passiert. An jeder Kreuzung springen unterschiedliche Verkäufer von Bonbons, Eis, raubkopierten DVDs, Bananenchips, heiße Maistaschen, medizinische Armreifen oder Kaltgetränken mit ihren schweren Taschen in den Bus, durchwandern ihn und springen bald darauf wieder heraus. Wir können uns schwer vorstellen, wie die Menschen mit dem Verkauf von einzelnen Bonbons (nicht tütenweise) das Leben finanzieren können, aber sie machen dies so selbstbewusst, dass wir von der Art des Verkaufens beeindruckt sind. Die Ansprachen werden mit kräftiger Stimme vor dem Auditorium der Busreisenden klar formuliert, besondere Verkaufsargumente aufgezählt und Probeexemplare wie Schokoriegel zur Ansicht verteilt. Die Frauen verkaufen selbst gekochte Leckerein und tragen dabei saubere Küchenschürzen. Andere Männer stehen in ihren korrekt gebügelten Bundfaltenhose vor uns und könnten auch in jeder Bank arbeiten. Der Wunsch nach Arbeit macht kreativ und wir sollten uns schleunigst abgewöhnen, Menschen nach ihrem Job zu beurteilen. Diese Leute arbeiten mit Stolz und verdienen Geld. Punkt!

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