"Vorbei geht die Autofahrt an großen Plakatwänden,"
die nicht nur an die Privatwirtschaft vermietet sind, sondern von der Regierung für Eigen-PR genutzt werden, wie zum Beispiel zu Themen wie Schulreformen oder Straßenbau. Und gebaut wird wie blöd in Mexiko. Eigentlich müßten die großen Staubwolken aus dem fernen All zu sehen sein, denn diese staubigen Baustellen ziehen sich durch das ganze Land und zeigen die rasante Entwicklung des Landes ("next 11"). Die deutschen Gewerkschaften würden auf den Baustellen ihre wahre Berufung finden und könnten den Bauarbeitern die Flip Flops und Turnschuhe ausziehen und ihnen Handschuhe zum Arbeiten oder Mülleinsammeln geben. Aber die Stimmung ist selbst bei der Müllabfuhr fröhlich. Die Arbeiter pfeifen selbst, wenn sie ohne Handschuhe die offenen Mülltüten einsammeln und diese per kräftigem Wurf in den offenen Müllwagen werfen. Es gibt kaum hygenische Mülltonnen, keine rückenschonenden Hebebühnen, keinen Abeitsschutz, kaum Urlaub und lange Arbeitstage. Jeder versucht das Beste aus seiner Lage zu machen, und so schaut der Müllarbeiter in jede Tüte nach brauchbaren Dingen, der Soldat an der Miltärkontrolle versucht uns teures Werkzeug für einen Schnäppchenpreis abzukaufen und die korrupten Polizisten (in unserem Fall in Mexiko City) versuchen Devisen abzuzocken. Probieren geht über studieren und die charmanten Versuche bleiben in unserem Fall allerdings Versuche. Überhaupt ist die Staatsmacht allgegenwärtig, in einigen Gebieten weniger, aber in einigen Provinzen übermächtig. Die militärischen Straßensperren sind häufig sehr touristenfreundlich und schieben ihren öden Job auf der Suche nach Drogen, Illegalen, Waffen und was das kriminelle Herz noch so begehrt. Auch an den Anblick von vollbewaffneten Plolizei-Pickups gewöhnt man sich schnell in Mexiko. In besonders brisanten Gebieten sehen die bewaffneten Polizisten wie Ninja-Turtles aus: mit Helm, Sturmmaske, Protektoren an allen Gelenken, schußsicherer Weste, Schlagstock, Kleinkaliberwaffe und selbstverständlich immer die schußbereite Uzzi im Anschlag. Wichtige sensible Knotenpunkte, wie die Metro in Mexiko City werden nicht von irgendwelchen Securitymokels wie in Deutschland bewacht, sondern von der offiziellen Polizei. Und glaubt man den subjektiven Meinungen der Mexikaner, dann ist jeder zweite Polizist korrupt. Schöne Scheiße!
Beobachten wir andere Mexikaner in den Großstädten oder in den Touristenzentren, dann unterscheiden sie sich in nichts von unserer "modernen und luxuriösen Lebensweise". Das iphone am Ohr, die Markensonnenbrille im Haar, der Starbucks Kaffee-to-go in der einen Hand und das Lenkrad eines Geländewagens in der anderen beim genüßlichen Knabbern an einer Selleriestange auf dem Parkplatz von "Office Depot". Daneben kann es passieren, dass ein Cowboy 100 Meter weiter auf dem Esel seine fünf Kühe hütet. Mexiko ist alles! Und wir mussten nicht einmal genau und lange hinsehen, um das lachende und das weinende Auge Mexikos zu sehen. Hasta luego Mexico, auf Wiedersehen!
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